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Thema: Das Tagebuch des Grafen von Eskens-Kalpenbach - Ein SoF AAR

  1. #121
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    Wir sind hin- und hergerissen. Aus der Situation des Grafen betrachtet würden Wir mit Blick auf die Familie ablehnen. Als Leser dieses AAR's hingegen, der sich gern der Vorstellung hingibt, die deutsche Hochseeflotte hätte mit der Unterstützung durch die U-Boot-Waffe noch eine Chance, plädierten Wir auf unbedingtes Durchführen des Einsatzes. Und nun stehn' Wir hier, Wir armer Tor...
    Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft, dem Menschen Bier und Rebensaft - drum danke Gott als guter Christ, dass du kein Ochs' geworden bist.

  2. #122
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    Hm, bislang ein recht einstimmiges Bild... Wir werden noch etwas warten bevor wir die neue Teuf-, ähm, weitere Pläne ausformulieren !

  3. #123
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    Auf eure "PLÄNE" sind wir sehr gespannt...!!

    herzliche grüsse

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  4. #124
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    Haben die Mission jetzt noch einmal gespielt, um Bildmaterial zu haben, damit ist der bisherige bericht an dieser Stelle nunmehr gegenstandslos. Daher geht es in einem neuen Post weiter !
    Geändert von DerGraf (20-04-2017 um 14:40 Uhr)

  5. #125
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    Auweia, was erwartet uns nun...?? Wir wünschen dem Grafen dennoch das Beste...!!

    herzlichste grüsse

    Hohenlohe... *GUTE JAGD UND GUTE HEIMKEHR!!*
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  6. #126
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    Obacht, werte Regenten, der obige Post wird noch einmal editiert !

  7. #127
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    Wir grüßen den Todgeweihten!
    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

  8. #128
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    Na, da sind Wir mal gespannt und drücken die Daumen!

  9. #129
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    Hoffentlich klappt es mit dem neuen Video...!!

    herzlichste grüsse

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  10. #130
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    Sonntag, 1. September 1918, Marinestützpunkt Helgoland

    Die Geschäftigkeit hatte wieder neue Höhepunkte erreicht, als UC-83 zum Auslaufen vorbereitet wurde. Überall waren Mitglieder der Mannschaft am 'machen und tun', wie man so schön sagte. Vorräte waren an Bord geschafft worden, das Maschinenpersonal prüfte ein letztes Mal die Anlage, auf die es auf diesem Einsatz wohl besonders ankam. Oben auf der Brücke stand der Obersteuermann am Schanzkleid und rechnete an der Trimmung, während der Wachoffizier die Männer über das Deck scheuchte. Seit der Kapitänleutnant ihn damals vom Turm entfernt hatte, pflegte der Leutnant einen deutlich rauheren Ton mit der Mannschaft. Vermutlich glaubte er, so seine Autorität zu unterstreichen. Wenn der wüßte...! Aber das war ja nicht mein Problem, im Gegensatz zu dem Jungen hatte ich einen Beruf, mit dem man auch im Frieden was anfangen konnte, egal wie der Krieg ausging. Am Anleger stehend ging ich noch einmal die Berichte Bremers und der Obermaschinistenmaate durch. Soweit keine Auffälligkeiten. Es gab ein paar kleinere Dinge, die mir nicht gefielen, aber das waren Kleinigkeiten und noch dazu übliche Verdächtige. Mit einer anständigen Werftliegezeit und brauchbaren Ersatzteilen wäre dem wohl beizukommen gewesen, aber bei dem momentanen Einsatzintervall hieß die Devise eben Flickschusterei. Ich gab mich keiner Illusion hin, auf wen der Finger zeigen würde, wenn der Kahn tatsächlich irgendwann mal richtig durchsiffte und dann absoff ! Also zeichnete ich den Reparaturbericht der Inst ab und harrte der Dinge, die da wohl kommen würden. Schmieröl vorhanden, mengentechnisch etwas wenig, würde aber hinkommen. Das Schweröl für den Diesel genauso. Wenigstens panschten sie das noch nicht, aber wenn wir durch die Winterpause kämen, würde das wohl auch bald anfangen...

    'Alles klar, Herr Schröder ?'

    Ich hatte Oberleutnant Schreiber nicht kommen hören, aber das tat kaum jemand. Hausmann, der FT-Gast natürlich, aber sonst ? Ob er das bei von Rahden genauso machte ? Nicht, daß der jetzt noch einen Herzkasper bekam, obwohl der Gedanke mich belustigte. Ich klappte die Mappe mit den Berichten zu, drehte mich zum Kommandanten um und baute mein Männchen.

    "Jawohl, Herr Oberleutnant. Anlagen und Maschinen klar, Betriebsstoff und Schmierstoffe übernommen und gebunkert ! Boot ist gewartet und uneingeschränkt einsatzbereit."

    'Gut, besondere Vorkommnisse ?'
    "Keine, Herr Oberleutnant !"
    'Hervorragend. Weitermachen !'

    Damit war er auch schon wieder weg und kurz darauf sah ich ihn beim Steuermann auf dem Turm. Schreiber war ein mehr als brauchbarer Komandant, aber die Mischung aus der Höflichkeit, die er immer an den Tag legte und seiner unemotionalen, effizienten Art ließ viele Fragen offen. Kurz darauf meldete auch Steinbach. Die Uhr zeigte 11 Uhr, also Auslaufbefehl in 15 Minuten. Ich klemmte mir die Mappe unter der Arm und begab mich an Bord. Die dreizehnte Feindfahrt des Bootes, und noch dazu mit Sonderauftrag. Interessanterweise sahen die meisten Männer darin eher eine Glücks- als eine Unglückszahl, und von dem Sonderauftrag wußten sie ja noch nichts. Ich ja offiziell bis vor kurzem auch nicht. Inoffiziell hatte Petermann einige Dinge aufgeschnappt, und als herausgekommen war, daß Schreiber die Sondertour fahren würde, hatte der dämliche Hund mir gesteckt, was auf uns zukam. Das Gegenteil von 'gut' war eben immer noch 'gut gemeint', ich könnte ihm immer noch in die Fresse hauen, aber da ich nicht mehr vergessen konnte, was ich wußte, hätte das auch nichts gebracht. Bei meinem Glück hätte man mir gesagt, daß mein Zimmer im Cafe Caree nach der Feindfahrt bezugsfertig sein würde. Also hatte ich mich und das Boot bestmöglich vorbereitet.

    Als wir Helgoland verließen und Kurs auf Schottland nahmen, wußten nur vier Männer an Bord von der Natur unserer Mission. Der Kommandant, ich und die beiden Wachoffiziere, Leutnant Steinbach und Steuermann Marek. Bis auf weiteres würde das auch so bleiben. Da die Patrouille kurz werden würde, ließ Oberleutnant Schreiber volle Kraft auf die Maschinen geben und mit Höchstfahrt auf Kurs gehen. In der Nacht vom 2. auf den 3. September wollte er bereits am Zielort ankommen. Nun, wir würden sehen !





    'Schiff gesichtet !' klang es durch das offene Turmluk in die Zentrale. Kurz darauf war Steinbach zu hören, nachdem er eine wohl eine Weile am Glas verbracht hatte, um das Schiff zu identifizieren.



    'Zerstörer backbord voraus, Herr Oberleutnant.'
    'Alles einsteigen ! Herr Schröder, auf 20 Meter gehen, bitte !'

    Ich tat wie mir geheißen, pendelte das Boot durch und wir setzten die Fahrt fort. Nach einer Stunde ließ Oberleutnant Schreiber auftauchen und die Fahrt über Wasser fortsetzen. Das Boot erreichte die Kante der Nordsperre gegen 3 Uhr am 2. September. Die Begegnung mit dem Zerstörer hatte einiges an Zeit gekostet ! Auch vor Scapa Flow wurde bald ein Zerstörer gesichtet, interessanterweise ein Amerikaner.



    Oberleutnant Schreiber hatte sich gegen ein Eindringen durch den Hoxa Sound entschieden. Er war ihm zu breit und offen, wie er sagte. Das lud eine Masse an Sicherungsmaßnahmen ein, die man bedenken mußte. Wie recht er hatte, lernten wir erst nach dem Krieg2. Von der Ostseite über die Minensperre durch den Holm Sound zu kommen, versprach ihm mehr Erfolg. Die Zufahrten dort waren eng, nicht sonderlich tief und die Tiden stark genug, um einem Uboot große Probleme zu machen. Daher wären dort die Sicherheitsvorkehrungen vermutlich am leichtesten. Zu schmal für Blockschiffe, zu flach für Netze. Das leuchtete ein, aber es würde trotzdem ein riskanter Ritt werden, soviel war mir klar. Mit der Strömung würden wir zu kämpfen haben, besonders, wenn sie uns nicht auf Grund werfen sollte. Nein, ich freute mich nicht darauf ! Nicht, daß Schreiber das kümmern würde. Er hatte seinen Plan vorgestellt und ging jetzt so selbstverständlich, wie man in einer Bar ein Glas Bier bestellt daran, diesen Plan umzusetzen.

    Erneut ging das Boot auf Sehrohrtiefe und wir liefen in das Minenfeld, stumpf nach Karte navigierend. Vor der Einfahrt wollte Oberleutnant Schreiber noch einmal schauen, ob die Luft rein war. nach einem kurzen Rundsehen ruckte er am Sehrohr wieder herum.

    'Da haben wir es ! Entweder ein Bewacher, oder ein Schiff, das weit außen vor Anker liegt... Herr Steinbach ?'

    Er ließ Steinbach durch das Sehrohr blicken, der nebenbei durch ein Erkennungsbuch blätterte und seine Aufmerksamkeit mal auf das Buch, dann wieder auf das ominöse Schiff richtete. Schließlich hatte er die passende Seite gefunden.





    'Schlachtkreuzer der Lion-Klasse, Herr Oberleutnant ! Entweder 'HMS Lion' selbst oder 'HMS Princess Royal'. 8 Geschütze 13 1/2 Zoll, 16 Geschütze 4 Zoll, 2 Torpedorohre. 1100 Mann Besatzung, über alles gut und gerne 30.000 Tonnen. Entfernung 1500 Meter.'

    Steinbach leckte sich die Lippen. Er war nervös, soviel war klar, mit einem echten Kriegsschiff hatte er es in seiner Karriere wohl noch nicht zu tun gehabt. Nun, ich ja schließlich auch nicht, aber für Seeoffiziere war das wohl nochmal etwas anderes. Er sah zum Kommandanten, der den Platz am Sehrohr wieder einnahm. Schreiber war völlig ruhig, wie konnte ein Mensch in so einer Situation derartig ruhig sein ? Er spähte wieder durch das Rohr.

    'Rohr 1 und 2 klar zum Unterwasserangriff. Entfernung zum Ziel 1500 Meter, Zielfahrt 0, Zielpeilung 320. Torpedos auf 36 Knoten einstellen.'
    'Torpedo auf 36 Knoten, 1500 Meter, Peilung 320 !' bestätigte Jürges aus dem Bugtorpedoraum.
    'Rohr 1 und 2... los !'
    'Rohre 1 und 2 abgefeuert !'

    Mit einem Ruck verschwand ein Viertel unserer Torpedozuladung im Wasser und schoß auf das Schiff zu. Die Blasenbahn war deutlich zu erkennen, aber auf diese Entfernung würden sie den Pott niemals schnell genug manövrierfähig bekommen. Wenn die Angaben hinkamen, saß der Brite wie auf dem Präsentierteller. Ich hätte das Schiff umgangen, um nicht den ganzen Stützpunkt aufzuschrecken, aber Schreiber schien es wissen zu wollen. Also warteten wir...



    Zwei Detonationen dröhnten über das Wasser und vom Schiff drang dicker Qualm ins Freie. Volltreffer ! Aber keiner jubelte, denn das Schiff sank nicht. Ob es bereits tödlich verwundet war, war unklar. Indessen hörten wir jetzt auch die Alarmsirenen auf dem Schiff. Selbst wenn das Schiff noch unterging, waren die Briten nun doch gewarnt, oder ?

    'Kurs 305, Maschinen kleine Fahrt voraus ! Wir dringen in den Holm Sound ein.' befahl Schreiber hinter mir und zog das Sehrohr ein.
    _____
    2: Oberleutnant zur See Hans-Joachim Emsmann auf UB-116 versuchte am 28.10.1918 durch diese Einfahrt in den Hafen einzudringen, um die britische Flotte vor der Attacke der Hochseeflotte zu schwächen. Hier hatten die Briten allerdings eine fernzündbare Minensperre mit Hydrophonen installiert. Um 21 Uhr 21 wurde das Boot erkannt und um 23 Uhr 32 meldete ein Galvanometer, daß sich das Boot im Minenfeld befand. Von Land aus wurde eine Reihe Minen daraufhin ferngezündet und am nächsten Morgen warf man über dem Ölteppich und den steigenden Luftblasen Wasserbomben ab, die Trümmer an die Oberfläche brachten. Taucher bargen am 4. November das Logbuch von UB-116. Es gab keine Überlebenden.
    Geändert von DerGraf (20-04-2017 um 17:41 Uhr)

  11. #131
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    Werter Graf, ist dies nur ein Versuch oder ernsthaft ein Neuanfang...??

    herzliche grüsse

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  12. #132
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    Inwiefern, werter Hohenlohe ?

  13. #133
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    Wir sind, wie der werte Hohenlohe, etwas verunsichert - aus welchen Augen sehen Wir denn dieses Update?

    Apropos Update:
    Werter DerGraf, Ihr wisst wirklich wie man ein spannendes Finale schreibt (Tatsächlich ist für Uns Euer AAR eine wahre Goldgrube in Sachen Wortschatz! Wer hätte gedacht, dass sich ein Wort wie "Tide" im Korpus der deutschen Sprache befindet!)
    Vous voulez le beurre et l'argent du beurre!

  14. #134
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    Argh, ja, das hätten wir deutlicher machen können ! Jetzt fällt uns auf, daß die Beibehaltung der ersten Person möglicherweise verwirrend ist.
    Da der Graf logischerweise nicht an Bord ist, ist der Erzähler für diese Mission der LI, Marineoberingenieur Günther Schröder. Wir haben uns für diese Lösung entschieden, da es ja in einem solchen AAR auch um die Mannschaft und vor allem das Boot gehen sollte. Außerdem wollten wir den werten lesern diese Mission nicht vorenthalten.

    Für euer Lob bedanken wir uns ! Es hat uns schon immer Spaß gemacht, mit Worten zu jonglieren und zu den selteneren Worten und Formen der deutschen Sprache fühlen wir uns besonders hingezogen.

  15. #135
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    Jetzt wissen wir wenigstens, wer der Erzähler dieser Missionsgeschichte ist...*freu* Bitte weitermachen...!!

    herzliche grüsse

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  16. #136
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    Dienstag, 3. September 1918 - Scapa Flow

    Fünfzehn Minuten liefen wir mit 3 Knoten weiter in den Sund ein. Im Boot war es totenstill, nicht nur wegen der möglichen Sinkgeräusche, sondern vor allem um zu hören, ob etwas am Drückkörper entlangkratzte, denn wenn das nicht frühzeitig erkannt wurde, konnte das Boot schwer beschädigt werden oder verloren gehen ! Einige angespitzte Eisenträger mochten reichen, wenn das Boot sich mit zu viel Leistung selbst auf den Spieß schob. Wenn dann noch eine Sprengladung daran saß... Die Anspannung war greifbar, besonders bei Hausmann, der am Hydrophon saß und in diesem Moment als Ohr des Bootes fungierte. Nur der Oberleutnant wirkte vollkommen ruhig, fast so als wäre er auf einer völlig ungefährlichen Überführungsfahrt. Langsam drehte er das Periskop und fuhr es aus.



    'Rohr 4 klar zum Unterwasserangriff. Zielpeilung 78, Entfernung 500 Meter. Torpedo 36 Knoten.'
    'Eingestellt !'
    'Rohr 4... los !'

    Der Torpedo fauchte aus dem Heckrohr. Auf diese Entfernung konnte die Artillerie des Kreuzers uns nichts anhaben, aber wer wußte schon, welche Teufeleien noch unterwegs waren ? Eigentlich wären ein paar Flieger ja möglich ? Einerlei. Steinbach sah auf die Uhr mit der Torpedolaufzeit. Lang konnte sie nicht sein, ich schätzte sie auf 30 Sekunden. Gerade als der Wachoffizier den Kopf hob, ertönte über uns ein weiterer Knall. Alles hielt den Atem an, aber wieder nichts mehr zu hören. Schreiber zog das Sehrohr wieder ein und ließ auf halbe Kraft gehen, um aus dem engen Sund herauszukommen. Logisch, wenn jetzt Alarm war, mußten wir ins offene Wasser kommen, sonst wären wir erledigt ! Nur dumm, daß die Versenkung nicht geklappt hatte !

    Fünf Minuten später wisperte Hausmann etwas in die Zentrale, das die Stimmung sofort hob.
    'Schlachtkreuzer sinkt !' Der aufbrandende Jubel wurde vom Ernst unserer Lage und dem Primat der Ruhe im Boot schnell erstickt, aber zumindest hatten wir den ersten Erfolg. Aber um welchen Preis ? Wenn die Lords drüben jetzt auf uns warteten und alles zumachten, saßen wir in der Falle. Im Sund durch den wir gekommen waren, lag ja jetzt der Schlachtkreuzer als Blockschiff, auch wenn die Herren von der Admiralität das deutlich billiger hätten haben können ! Späterstens wenn sie die Überlebenden aus dem Wasser holten, wäre hier also die Hölle los.

    Aber wir schafften es !

    Auch hier auf der weiten Wasserfläche ließ Schreiber das Boot anhalten. Alles achtete auf Hausmann.
    'Schnelle Schraubengeräusche backbord voraus, Herr Oberleutnant ! Mittlere Distanz, entfernen sich !'
    Schreiber nickte und fuhr das Periskop aus, um die Wasseroberfläche zu begutachten.
    'Großkampfschiff voraus, Peilung 332. Weitere Schiffe Peilung 33 und Peilung 80.'

    Wieder überließ er es Steinbach die Schiffe zu identifizieren. Das Blättern raschelte durch das Boot, in dem man eine Stecknadel hätte fallöen hören können.





    'Schiff Peilung 332 ist Schlachtschiff Iron Duke Klasse: HMS Iron Duke, HMS Marlborough, HMS Benbow oder HMS Emperor of India. 10 Geschütze 13 1/2 Zoll, 12 Geschütze 6 Zoll, 4 Torpedorohre. Circa 28.000 Tonnen. Das Modernste, was sie 1914 hatten !'

    Er schwenkte das Periskop weiter und blätterte, die Silhouetten vergleichend.





    'Schiff Peilung 33 ist Panzerkreuzer Cressy- Klasse. HMS Sutlej, HMS Bacchante oder HMS Euryalus.' Die Namen der drei anderen kannte in Deutschland jedes Kind: Hogue, Aboukir und Cressy, die drei Schiffe die Otto Weddigen im September 1914 versenkt hatte ! Nun sollte es also einem weiteren dieser Schiffe an den Kragen gehen ! '2 Geschütze 9 1/5 Zoll, 12 Geschütze 6 Zoll, 12 Geschütze 12 Pfund, 2 Torpedorohre. Besatzung etwa 700 Mann, Verdrängung circa 12.000 Tonnen.'

    Er brachte das Periskop weiter herum, spähte hindurch, sah auf das Buch und noch einmal auf das Schiff.



    'Schiff Peilung 80 ist schwer zu identifizieren. Aus dieser Richtung und Entfernung am ehesten Cressy oder Diadem Klasse, Herr Oberleutnant. Sieht für mich mehr nach Cressy Klasse aus.'

    Damit hatten wir es also ! Oberleutnant Schreiber schien das ebenso zu sehen.
    'Das Schlachtschiff ist als relativ modernes und größtes Schiff das Primärziel. Die Panzerkreuzer werden nur angegriffen, wenn noch Torpedos da sind und der Angriff sinnvoll scheint.'

    Das ergab Sinn, die beiden Rosteimer würden zwar auch wehtun, aber das Schlachtschiff war deutlich schwerer abzuschreiben oder gar zu ersetzen. Schreiber machte einige Markierungen auf einer Karte und zog das Sehrohr ein.

    'Beide Maschinen halbe Fahrt, Kurs 150. Anlauf beginnt !'
    Geändert von DerGraf (20-04-2017 um 23:36 Uhr)

  17. #137
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    Werter Graf, ihr wollt wohl die britische Homefleet im Alleingang versenken...?! Nur zu..., Hauptsache ist, dass ihr heil aus Scapa Flow wieder rauskommt...!!

    herzlichste grüsse

    Hohenlohe, der alles Gute wünscht... *GUTE JAGD UND GUTE HEIMKEHR!!*
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  18. #138
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    Kommt schon, das schafft Ihr! Ist zwar heikel, aber machbar.

    Schöne Updates übrigens! Wir sind gespannt auf´s große Finale!

  19. #139
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    Dienstag, 3. September 1918 - Scapa Flow

    Eine Viertelstunde bewegten wir uns ungesehen durch das Becken des Naturhafens, bis der Oberleutnant wieder den Befehl zum Stoppen gab, einen versichernden Blick auf die Karte warf, wo noch immer seine Markierungen zu sehen waren, und dann das Sehrohr behutsam ausfuhr. Selbst wenn der Schlachtkreuzer als Übung durchging, würde hier gleich richtig was los sein ! Schreiber spähte nach seinem Ziel und fand es recht schnell.



    'Rohr 1 und 2 klarmachen !'
    'Rohr 1 und 2 sind klar !'
    'Feindpeilung 326, Entfernung zum Ziel 1900 Meter. Feindgeschwindigkeit 0, eigene Geschwindigkeit 0. Torpedo auf 36 Knoten einstellen. Lauftiefe 2 Meter.'
    'Peilung 326, 1900 Meter. Geschwindigkeit 0. Torpedo 2 Meter, 36 Knoten !'
    'Rohr 1 und 2... los !'
    'Rohr 1 und 2 abgefeuert !'

    Die Torpedos verließen die Torpedorohre und die Laufzeit begann. 62 Sekunden, wenn Leutnant Steinbach recht hatte. Nun, in 62 Sekunden konnte viel passieren.

    'Schraubengeräusche, Herr Oberleutnant ! Schlachtschiff nimmt Fahrt auf !'

    Wenn Schreiber es gehört hatte, ließ er es sich nicht anmerken, er stand unbeweglich am Sehrohr und verfolgte die Torpedobahnen. Dann knallte es zweimal kurz hintereinander. Torpedotreffer ! Aber wieder waren zwei Torpedo wohl zu wenig, um das Schiff zu versenken.



    'Maschinen kleine Fahrt voraus.'

    Er zog das Sehrohr ein und wir machten zehn Minuten in Stille Fahrt. Ich nahm mir die Zeit, mich umzusehen. Alle Blicke waren nach oben gerichtet, als könnte man durch die Decke und das Wasser die Oberfläche sehen, wenn man sich nur genug anstrengte. Leutnant Steinbach nagte an seiner Unterlippe und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn. Der Zentralemaat und Hausmann nur kurz mit dem Ärmel, der Obersteuermann gar nicht, aber auch bei ihm waren einzelne Schweißperlen zu erkennen. Ich ließ einfach laufen und war bereit, auf die Bibel zu schwören, daß Oberleutnant Schreibers Stirn völlig trocken war und daß ich ihn von diesem Moment an für einen hervorragend abgekochten Sauhund hielt, was im übrigen nicht im Geringsten despektierlich gemeint war. Dann kam die Meldung, auf die er gewartet hatte.

    'Rohr 1 nachgeladen !'

    Schreiber fuhr erneut das Sehrohr aus und suchte sein Opfer. Kalt, methodisch, ohne irgendeine emotionale Reaktion. Dann hatte er es !



    'Rohr 1 klarmachen zum Unterwasserschuß !'
    'Rohr 1 ist klar !'
    'Feindpeilung 337, Feindkurs 151. Entfernung 1500 Meter. Feindfahrt 3 Knoten. Eigene Fahrt 1 Knoten. Torpedo auf 36 KNoten einstellen, Lauftiefe 2 Meter.'
    'Eingestellt !'

    Schreiber verzog etwas unwillig das Gesicht, maßregelte den Torpedomann aber nicht.

    'Rohr 1 los !'
    'Abgefeuert !'

    Der Torpedo raste los, nun hieß es warten ! Das Schlachtschiff zackte anscheinen oben über die Wasseroberfläche. Würde der Torpedo treffen ? Wann wären die Zerstörer hier ?

  20. #140
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    RUMMS !
    'Torpedotreffer, Herr Oberleutnant !'
    Steinbach hatte es unbeherrscht ausgerufen. Eine knappe Handbewegung brachte ihn zum Schweigen. Bald darauf waren die charakteristischen Geräusche brehcneder Schotten zu hören. Dann eine Kesseldetonation. Das Schlachtschiff hatte genug !
    'Schlachtschiff sinkt !'

    Ein kurzer freudiger Aufschrei ging durch das Boot. Damit hatten die Briten in diesem Moment insgesamt 58.000 Tonnen Kriegsschiffsraum verloren. Wenn Weddigens Tat schon ein Schluck aus der Pulle gewesen war, was war dann das hier ? Nun würde es aber wohl recht hitzig werden... Das Sehrohr wurde wieder eingezogen.

    'Schnelle Schraubengeräusche Steuerbord voraus, Herr Oberleutnant ! Hält Kurs auf Schlachtschiff, vermutlich Zerstörer !'

    Da hatten wir es !

    'Maschinen halbe Fahrt, Kurs 90 !'

    Als ob der Zerstörer in seinem Plan nicht existierte und deshalb unwichtig war ! Dabei waren wir gerade Sieben Meter unter der Wasseroberfläche. Alles was uns vor Wasserbomben im Moment schützte war die Gefahr, daß sich der Zerstörer selber mit sprengte und daß uns noch keiner gesehen hatte ! So aber flanierte das Boot förmlich durch das becken als ob der ganze Trubel auf der Oberfläche es nichts anginge. Dann kontrollierte Schreiber nach flüchtigem Sondieren der Oberfläche und einem anschließenden kürzeren Unterwassermarsch seine Markierungen und machte das Sehrohr bereit.



    'Rohr 3 klarmachen !'
    'Rohr 3 klar !'

    Schreiber studierte noch einmal kurz das Schiffsdiagramm im Erkennungsbuch.

    'Peilung 3, Feindfahrt 0, Eigene Fahrt 3, Entfernung 1300 Meter. Torpedo 36 Knoten, Lauftiefe 2 Meter !'
    'Peilung 3, Fahrt 0 und 3, 1300 Meter, Torpedo 36 Knoten, Lauftiefe zwo.'
    'Rohr 3... los !'
    'Abgefeuert !'

    Würde für das 12000 Tonnen Schiff ein einzelner Torpedo ausreichen ? Als es eine Minute später knallte, zuckte einiges an Bord zusammen und während wir immer noch abliefen, hörte man schließlich auch hier, wie das Schiff absoff !



    70.000 Tonnen ! Bei solchen Zahlen mußte einem ja schwindlig werden, ganz zu schweigen von den Lords da draußen, die wir offensichtlich mit heruntergelassenen Hosen erwischt hatten ! Die Abrechnung würde sich sehen lassen können ! Aber diese Gedanken fochten Oberleutnant Schreiber nicht an, wenn er denn an so etwas Triviales wie rachsüchtige Engländer überhaupt dachte... Würde er das noch einmal fertigbringen und mit dem letzten Torpedo das letzte Panzerschiff versenken ?

    Als Antwort auf diese stumme Frage trat er wieder ans Sehrohr und schob es durch die Wasseroberfläche, als wäre es das Natürlichste von der Welt. Er würde es versuchen soviel stand fest !
    'Sie hatten Recht, Herr Steinbach, ebenfalls Cressy-Klasse !' stellte er kurz klar.



    'Klar bei Rohr 4 !'
    'Rohr 4 ist klar !'
    'Peilung 330, Feindfahrt 0, eigene Fahrt 3 Knoten. Entfernung 600 Meter. Torpedo auf 36 Knoten, 2 Meter.'
    'Eingestellt !'

    Man hörte in der leicht zitternden Stimme des Torpeders die Aufregung mitschwingen. ich atmete aus und wischte mir das gesicht mit dem Ärmel ab. Jetzt kam es also nochmal drauf an.

    'Rohr 4 los !'
    'Abgefeuert !'

    Auf 600 Meter würde der Torpedo keine 30 Sekunden zu laufen haben und in der Tat knallte es bald, wenn sich auch die Laufzeit langzuziehen schien.



    Torpedotreffer !
    Schreiber war anscheinend zufrieden und zog das Sehrohr wieder ein. War es das schon ? Erst drei Minuten später hörten wir es... Das Panzerschiff ging unter. 82.000 Tonnen an einem Tag ! Wenn mich jetzt der Blitz traf, wäre das vollkommen in Ordnung gewesen, jetzt hatte ich alles gesehen ! Aber noch waren wir nicht heraus aus dem Hexenkessel !

    Der Oberleutnant setzte einen neuen Kurs der uns im Bogen noch einmal quer durch das Hafenbecken führte, in Richtung Hoxa Sund, dort wollte er wohl heraus. Bis mir einfiel, daß wir ja noch 18 Minen dabei hatten ! Ich konnte mich nicht recht auf das Muster konzentrieren, als wir unter der Nase der Briten ihre Ausfahrt verminten, mittlerweile seit fast 10 Stunden getaucht, was man an der abgestandenen Luft auch merkte. Alles atmete auf, als Schreiber Kurs Ausfahrt setzen ließ.

    'Alles klar bei Tauchretter.'

    Der Befehl machte klar, daß es jetzt gefährlich wurde ! Stück für Stück schoben wir uns in die Ausfahrt, während hinter uns drei Zerstörer über das Wasser kurvten und Wasserbomben ins Hafenbecken warfen und kleinere Boote die Überlebenden aus dem Wasser holten ! Eine Zeit lang ging das auch gut, aber dann hörten wir, ganz sachte, ein ekelhaftes Kratzen am Druckkörper. Ein Netz ? Oder doch eher gespitzte Stahlträger ? Wir fanden es nie heraus, aber die folgenden vier Stunden waren die schlimmsten meines Lebens. ich machte meine Runden durchs Boot um in den einzelnen Abteilungen zu horchen, ob es Einbrüche oder Leckagen gab, aber alles verlief soweit gut.

    Um Mitternacht waren wir heil aus der Basis heraus, aber erst um 1/2 2 Uhr nachts ließ der Oberleutnant auftauchen und das Boot durchlüften ! Als wir den frischen Sauerstoff gierig in die Lungen zogen wurde uns erst richtig klar, daß wir es geschafft hatten ! Die Rückfahrt war ruhig und abgesehen von einem merkwürdig euphorischen Gefühl, noch am Leben zu sein, erinnerte ich mich später an nicht viel.

    Gegen 8 Uhr morgens am 7. September 1918 lief UC 83 wieder im Stützpunkt Helgoland ein und der wahre Hexenkessel brach über uns herein ! ich erkannte von der Brücke aus eine Kapelle, viele versammelte Soldaten und die anderen Komandanten, die in Trauben am Anleger standen und mitten im Gewühl, Grau und von Rahden, die grinsten wie die Honigkuchenpferde ! Der Korvettenkapitän nahm den Oberleutnant dann auch sofort in Beschlag, während ich es vorzog, für die Dauer des Brimboriums wieder in meinem Reich zu verschwinden. Das große Tam-Tam käme noch früh genug !

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