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Thema: Im Dienste des Dritten Reiches - Ein Silent Hunter III-AAR

  1. #281
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    Wilhelmshaven
    2. Juli 1940
    10:00 Uhr


    Ich stand wieder vor meinen Männern. Dieses Mal allerdings war es anders als die vorigen Male. Ich hatte etwas zu verkünden. Etwas, das mich einerseits mit Stolz erfüllte und mir andererseits schwer fiel.

    „Männer, hört mal her!“ Ich atmete einmal tief durch. „Wie immer möchte ich mich bei Euch für Eure klasse Arbeit auf der letzten Fahrt bedanken – bei Euch allen! Es ist mehr als nur einmal bremslig gewesen und Ihr alle habt die Nerven bewahrt und zusammen haben wir uns aus diesen Situationen heraus gewunden! Ich bin stolz auf Euch!“

    Einige der Männer lächelten mich dankbar an, wieder andere sahen verlegen aus.

    „Das macht das, was ich Euch nun zu sagen habe besonders schwer!“

    Das Grinsen verschwand und erste Mienen wurden aufgelegt.

    „Ich hasse es, wenn eine Besatzung auseinandergerissen wird – wenn sich Freunde trennen müssen! Doch nun hat es auch uns erwischt! Unser IWO wird in Kürze sein eigenes Kommando erhalten!“

    Man sah den Jungs nun an, dass sie über diese Neuigkeit nicht sonderlich erbaut waren. Zwar freuten sich alle für Oberleutnant Tillmann, doch würde er auch vermisst werden – schmerzlich vermisst.

    „Oberleutnant Tillmann ist ein sehr guter IWO gewesen und ich möchte, dass er ehrenhaft verabschiedet wird!“

    Ich drehte mich auf dem Absatz zu ihm und blickte Tillmann lächelnd ins Gesicht.

    „Ich weiß, dass Sie einen ausgezeichneten Kommandanten abgeben werden, Oberleutnant! Sie werden den Tommys den Arsch aufreißen!“

    Wir salutierten einander.

    „Ich werde Sie nicht enttäuschen, Herr Kale- Verzeihung. Herr Kapitän!“

    „Davon bin ich mehr als überzeugt.“
    Ich grinste ihn an. „Und nennen Sie mich Günther.“

    Oberleutnant Tillmann sah mich verdattert an. „Wie bitte, Herr Kapitän?“

    „Günther. 'Herr Kapitän' will ich ab sofort nicht mehr von Ihnen hören, IWO. Nur dann, wenn es um Militärische Angelegenheiten geht, bei denen wir nicht unter uns sind.“

    „Jawohl, Herr Kap- Günther.“

    „Geht doch!“

    11:46 Uhr


    „Man, man, man...“ Korvettenkapitän Fischer schüttelte den Kopf, blies seine Backen auf, versuchte etwas zu sagen und schloss anschließend wieder den Mund. Dieses Prozedere beobachtete ich nun schon seit mehreren Minuten. Ich konnte nicht leugnen, dass es mich auf eine gewisse Art und Weise amüsierte.

    „Paulsen... wie zum Teufel machen Sie das?!“

    „Was meinen Sie, Herr Korvettenkapitän?“


    Zwar waren Korvettenkapitän Fischer und ich nun im Rang gleich; doch da Fischer der Flottillenchef war, war er mein Vorgesetzter – deshalb redete ich ihn immer noch mit dem Zusatz „Herr“ an.

    „Zweimal sind Zerstörer direkt über Ihnen gefahren und einmal hätte ein Frachter beinahe auf Ihrem Turm angelegt.“ Fischer schüttelte den Kopf und ich sah im Geiste schon eine gewaltige Strafpredigt auf mich niedersausen. Es war nicht gern gesehen, wenn man mit dem Boot allzu fahrlässig umging – und in unserem speziellen Fall war „allzu fahrlässig“ eine gewaltige Untertreibung. Innerlich bereitete ich schon einmal die Argumente vor, die ich Fischer liefern konnte. Doch gab es diese überhaupt? Die Wahrheit war doch, dass wir alle zu leichtsinnig geworden waren – geschuldet der ganzen erfolgreichen Fahrten vorher. Wir hätten viel besser Acht geben müssen!

    „Herr Korvettenkapitän, lassen Sie mich bitte -“

    Fischer hob die Hand und ich verstummte sofort.

    „Wie zum Teufel, Paulsen...“

    Er erhob sich und ging um den Schreibtisch herum auf mich zu.

    „Sind Sie da heil herausgekommen?!“

    Ich war überrascht. Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet.

    „Eine erstklassige Besatzung, Herr Korvettenkapitän.“

    Fischer nickte. „Ja, die müssen Sie wohl haben. Aber wo wir gerade bei diesem Thema sind.“

    Er nahm wieder auf seinem Stuhl Platz und holte eine Akte hervor.

    „Wir haben einen neuen IWO für Sie. Leutnant Anton Bayer. Ein guter Mann., Hatte bisher auf U104 gedient.“

    Ich nahm die mir dargebotene Akte zur Hand.

    „Werfen Sie einen Blick hinein und sprechen Sie mit ihm. Ich bin mir sicher, dass er eine Bereicherung für Sie ist.“

    „Jawohl, Herr Korvettenkapitän.“

    „Ach... und noch etwas, Paulsen. Finden Sie sich spätestens am 25. wieder hier ein. Wir haben dann etwas zu besprechen.“

    „Jawohl, Herr Korvettenkapitän.“


    12:52 Uhr

    Ich hatte mich in mein Büro zurückgezogen und erledigte den Papierkram der letzten Fahrt. Jetzt wurde mir erst bewusst, wie sehr wir unser Glück herausgefordert hatten. Das durfte nicht noch einmal geschehen, wir mussten in Zukunft vorsichtiger sein! Mehr als einmal hätten wir schließlich versenkt werden können. Der erneute Kanaldurchbruch am Ende war vielleicht etwas zu viel des Guten gewesen. Ich nahm mir nun vor, nur noch den längeren Weg um England herum zu fahren. Der LI verstand seine Arbeit schließlich und daher sollte das kein Problem sein.

    Um halb zwei schließlich traf ich mit mit dem Werftleiter. Es sollten ein paar Neuerungen am Boot stattfinden. Wir bekamen nun eine neue Flak auf unserem Turm und neue Dieselmaschinen. Die Leistung wurde erhöht und es waren mehr Knoten drin als zuvor – auf Äußerster Kraft war es nun möglich – zumindest bei idealen Bedingungen – über Wasser 21 Knoten zu fahren. Wir waren schneller und konnten somit auch schnellere Schiffe einholen, sollte dies notwendig sein.

    „Eine Bereicherung, Herr Kapitän.“, teilte mir der Werftleiter mit. „Wahrlich eine Bereicherung! Nur sollten Sie zusehen, dass nicht noch einmal Schiffe versuchen auf Ihnen anzulegen. Die Schäden werden nämlich Sie dann beheben – unter meiner Anleitung!“

    Ich grinste.

    „Das nehme ich gerne in Kauf, Schmitz. Vor allem deshalb, weil es nicht mehr vorkommen wird!“

    „Das will ich für Sie hoffen!“

    Nachdem wir alles Weitere besprochen und ich U123 an die Werft übergeben hatte machte ich mich auf dem Heimweg. Ich freute mich auf Zuhause und auf meine Familie. Sicherlich hatte Erika schon von unserer letzten Fahrt Kenntnis erhalten - ich konnte mir vorstellen, dass sie nicht sonderlich begeistert war von dem, was dort geschah. Da würde wohl wieder ein Gespräch fällig sein. Doch immerhin hatte die „Hau drauf - Methode", wie mein IIWO es treffend formulierte bisher funktioniert. Allerdings sollten wir alle nicht zu siegessicher sein. Was passierte, wenn man leichtsinnig war und sich nur auf sein Können verließ hatten wir schon einige Male zu spüren bekommen.

    Noch ahnte ich nicht, dass mein Vorhaben, auf der nächsten Fahrt weitaus vorsichtiger zu agieren überlebenswichtig für uns alle werden sollte.

  2. #282
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    Wir freuen uns schon auf die nächste Fahrt, aber dies wird wohl noch einige Zeit dauern. Erst einmal kommt der Heimaturlaub...!!

    herzlichste grüsse

    Hohenlohe... *GUTE FAHRT UND GUTE JAGD!!*
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  3. #283
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    Ich bin auch gespannt auf die nächsten Fahrten

  4. #284
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    Kiel
    2. Juli 1940
    16:37 Uhr


    Ich merkte gleich bei meiner Ankunft, dass irgendwas nicht stimmte. Angst lag in der Luft. Die Menschen, die mir auf dem Weg nach Hause begegneten blickten sich verstohlen um. Es waren ohnehin weniger Leute auf den Straßen als üblich. Was war hier passiert? Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit.

    Erika stand am Hauseingang und unterhielt sich mit einer Nachbarin von uns. Auch in ihren Gesichtern sah ich Sorge. War irgendetwas geschehen? Irgendetwas in unserer Nachbarschaft? Oder noch schlimmer... innerhalb meiner Familie? Da Erika das einzige Kind ihrer Eltern war und diese bereits verstorben waren konnte es nicht um sie gehen.

    Ich nahm die letzten Meter zu unserem Haus und ging auf die beiden zu. Erika erblickte mich und kam zügigen Schrittes zu mir, bevor sie mich umarmte. „Gott, Günther! Gott sei Dank bist Du da!“

    „Was... was ist passiert, Rika? Alles in Ordnung?“


    „Es gab einen Angriff der Royal Air Force!“

    Sofort löste ich die Umarmung und blickte meiner Frau in ihr besorgtes Gesicht.

    „Bitte was?! Wo?!“

    „Der Hafen wurde angegriffen.“


    „Der... der Hafen? Was ist denn passiert? Aber hier war nichts? In der Stadt?“

    „Nein, hier nicht. Man konnte die meisten Flieger abschießen oder abdrängen, bevor sie das Festland erreichten.“


    Ich sollte nun eigentlich erleichtert sein, dass es nicht schlimmer kam – doch ich war es nicht. Wenn es nun schon einen Angriff auf Kiel gab würde der nächste vielleicht nicht lange auf sich warten lassen. Meine Familie war hier nicht mehr sicher!

    „Wie geht es Euch? Rika, Anja? Ist alles in Ordnung?“

    „Wie man es nimmt, Günther.“, antwortete Anja Hartmann. „Wir sind ziemlich besorgt.“

    Ich nickte.

    „Ja, wie alle anderen hier auch. Verdammt, das darf doch nicht wahr sein!“

    Wie sehr hatte ich gehofft – ja, sogar naiverweise geglaubt – dass Kiel verschont blieb! Ich hätte es besser wissen müssen. Der Krieg machte schließlich nicht vor einzelnen Städten halt, wir alle waren betroffen. Dies wurde mir in diesem Moment schlagartig bewusst.

    „Ihr müsst hier weg, Rika. Du und meine Eltern!“

    „Und Du?“

    „Ich bin stationiert in Wilhelmshaven. Wenn ich auf Heimaturlaub bin verbringe ich die Zeit bei Euch, sofern ich kann.“

    „Sofern Du kannst?“

    „Ihr müsst ins Landesinnere, weit weg von der Küste! Am Besten nach Hannover, da habe ich noch einige Kontakte.“

    „Und was ist mit Dir?“

    „Liebling, ich komme zu Euch so oft ich kann! Versprochen!“

    „Ich möchte nicht aus Kiel weg.“

    „Ich kann Dich ja verstehen, Rika. Aber ich mache mir Sorgen um Eure Sicherheit!“


    „Glaubst Du, dass es uns mit Dir anders ergeht? Ich habe gehört, was auf Deiner letzten Fahrt passiert ist! Günther, wir haben auch Angst um Dich – aber können wir daran etwas ändern?“

    Sie hatte Recht. Dieser verdammte Krieg machte uns alle wahnsinnig und jetzt hatte ich seinetwegen auch noch einen Streit mit meiner Frau. Ich seufzte.

    „Eben. Günther, bitte.“ Sie streichelte mir die Wange. „Lass uns reingehen und in aller Ruhe darüber reden.“

    „Ja, in Ordnung. Ich habe auch Hunger.“


    „Und ich das Essen fertig.“ Sie lächelte.

    Wir verabschiedeten uns von Anja und betraten das Haus. Noch immer war ich der Meinung, dass meine Familie nach Hannover ziehen sollte – zumindest vorübergehend. Es würde ein kleines Stück Arbeit bedeuten Rika und meine Eltern davon zu überzeugen, dass dies notwendig und auch besser für sie alle war.

  5. #285
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    Wie immer stimmungsvoll und lebendig geschrieben, weiter so bitte.

    Wenn man bedenkt das es erst Mitte 1940 ist, mag man kaum glauben, das Paulsen die restlichen Kriegsjahre in diesem Stil überhaupt erleben wird. Die Tommys werden schon bald taktisch und technisch auf einer höheren Stufe agieren, nur wenn Paulsen es schafft sich anzupassen, werden wir noch lange Freude an seinen Abenteuern haben.

  6. #286
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    Wir hoffen doch, dass Wir Euch weiterhin vernünftigen Lesestoff bieten können.
    Vielen Dank für die lobenden Worte, werter Taurus.

    Ja, die Veränderung macht sich aktuell gerade so langsam bemerkbar. Man merkt, dass die Tommys schon taktisch ein kleines bisschen besser sind als noch vor fünf oder sechs Monaten. Wir sind gespannt, was Uns demnächst ab dem Jahre ´41 erwartet.

  7. #287
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    Mit taktisch aggressiver reagierenden bzw. agierenden Tommies wird wohl langfristig immer zu rechnen sein. Da werden bestimmte Aktionen nicht mehr so einfach funzen, wie mal kurz nach Scapa Flow reinschauen, leider...
    Man kann nur hoffen, dass der olle Paulsen und sein Boot das Ganze heil überstehen...!!

    herzlichste grüsse

    Hohenlohe...
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  8. #288
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    Nun, nach Scapa Flow werden Wir nicht nochmals fahren. Erstens macht dies keinen Sinn und zweitens wäre dies zu gefährlich. Wir denken nicht, dass man dort jetzt noch lebend hinein- geschweige denn wieder hinaus kommt.

    Wir werden sehen, was die Tommys noch so auf Lager haben - und wie Wir das Ganze meistern. Natürlich hoffen Wir, den AAR wirklich bis zum Kriegsende durchziehen zu können. Da aber nun von zu reden, wo Wir erst noch am Kriegsanfang stehen ist vielleicht etwas zu viel des Guten.

  9. #289
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    Im RL gelang es den Alliierten ein deutsches U-Boot mitsamt Enigma-Chiffriermaschine aufzubringen und danach konnten sie alle Befehle mitlesen auch die FTs...!! War soweit bekannt 1943. Obwohl die Walzen danach ausgetauscht wurden konnten die Alliierten bald erneut alles mitlesen. Wenn dies in der Mod auch als Event drin wäre, dann würde ich sagen, wird es noch viel härter für euch. Ansonsten würde ich gerne wissen inwieweit die alliierte Luftüberwachung ab 1943 dargestellt wird, denn dann wurden grosse Konvois von CVEs begleitet.

    herzlichste grüsse

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  10. #290
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    Ja, das wird noch schwierig für Uns werden - wenn Wir bis dahin kommen. Wir sind aber erst einmal gespannt darauf, wie es ab ´41 um die RAF in der Biskaya bestellt ist. Das wird - wenn es richtig gemacht wurde - ein Hexenkessel werden.

  11. #291
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    9. Juli 1940
    16:14 Uhr


    Mein neunundzwanzigster Geburtstag. Wenigstens diesen konnte ich im Kreise meiner Liebsten verbringen. Den ganzen Tag über schon waren Freunde und Verwandte bei uns im Haus. Gerade mit den Leuten, die ich länger nicht mehr gesehen hatte redete ich viel und lange. Es war schön, dass es auch noch positive Dinge im Leben zu geben schien. Seit dem Angriff der Royal Air Force auf Kiel war ich voller Sorge, denn Rika hatte sich nicht dazu überreden lassen nach Hannover zu gehen – oder überhaupt irgendwo anders hin. Sie wollte in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Ein wenig konnte ich sie verstehen. Sie hatte hier ihre Freunde und Bekannten. Menschen, mit denen sie zusammen war während ich mit meinem Boot auf See war. Das wollte sie nicht aufgeben. In Hannover kannte sie kaum jemanden; sie war die meiste Zeit auf sich alleine gestellt – auch wenn meine Familie ihr versichert hatte, dass sie sich um sie kümmerten - doch würde sie sich wahrscheinlich trotz allem einsam fühlen, wenn ich nicht da war.

    Meine Eltern wollten ebenfalls in Kiel bleiben. Da Erika nun nicht nach Hannover ging hieß dies zwangsläufig auch, dass ich in Kiel blieb. Also hatten sie beschlossen, dass die ganze Familie hier blieb. Entweder gingen alle oder keiner. Ich hatte nach einigem Zögern zugestimmt. Zugegebenermaßen war ich nach einigen Tagen froh darüber, dass wir nicht auseinander gerissen wurden.

    „Wann musst Du wieder nach Wilhelmshaven?“ fragte Erika, als wir beim Abendessen saßen.

    „Ich soll bis spätestens zum 25. wieder dort sein.“

    „Kannst Du auch erst am 25. wieder dorthin fahren?“

    Ich wusste genau, warum meine Frau dies fragte. Einen Tag vorher hatte sie Geburtstag und den wollte sie mit mir gemeinsam verbringen. Ich nickte nun.

    „Keine Sorge, Rika! Deinen Ehrentag versäume ich nicht!“

    19:00 Uhr

    Ich war auf den Balkon gegangen, um eine Zigarette zu rauchen und den Tag Revue passieren zu lassen. Es stimmte mich froh, dass so viele Leute gekommen waren um ihn mit mir zu verbringen. Immerhin etwas Gutes in dieser schweren Zeit. Mir konnte schließlich immer etwas passieren und jede Situation konnte die Letzte sein, in der man sich sah. Wie viele Kameraden waren schon gefallen? Wie viele Boote nicht in ihre Häfen zurückgekehrt? Der Verlust an Ubooten hatte zugenommen, dass merkten wir alle. Nach nicht einmal einem Jahr Krieg waren unzählige gute Männer gefallen. Ehemänner, Väter, Söhne... sie alle waren nicht mehr da. Ich hoffte, dass ich Rika und meiner Familie dies niemals antun musste.

    „Günther?“

    Ich drehte mich um. Bernd Hausmann stand in der Balkontür und sah mich fragend an. Wir hatten uns zuletzt auf meinem letzten Heimaturlaub gesehen und waren – zugegebenermaßen – nicht gerade freundschaftlich auseinander gegangen. Mir kam unser Gespräch wieder in den Sinn. Er wollte mich zu etwas überreden, was mich in Schwierigkeiten bringen konnte – zur Auflehnung gegen unsere Führer.

    „Hey, Bernd.“

    „Kann ich Dich kurz sprechen?“

    „Ja. Worum geht es?“


    Er trat nun neben mich und zündete sich ebenfalls eine Zigarette an. Ein paar Minuten schwieg er, bevor er mich ansah.

    „Hast Du nochmal über unser Gespräch nachgedacht?“

    „Kurz.“

    „Und?“

    Ich dachte nach. Irgendwo hatte mein alter Freund Recht mit dem, was er sagte. Die Jagd auf unschuldige Menschen war etwas, das auch ich nicht gut hieß. Es war schon schlimm genug, dass ich auf See immer und immer wieder Menschen töten musste. Dort allerdings tat ich nur meine Pflicht als Soldat, auch wenn sie mir zuwider war. In diesem Fall hier ging es aber nicht um Soldaten. Nein, es ging um Zivilisten, die unseren Führern nicht passten. Entweder, weil sie anders aussahen, alt waren, krank waren oder Sonstiges. Sie hatten mit diesem ganzen Krieg nichts zu schaffen und wurden nur verfolgt 'weil sie da sind', wie Bernd es in unserem letzten Gespräch treffend formuliert hatte.

    Bernd war in einer Organisation tätig, die diesen Leuten half und ihnen Unterschlupf gewährte, unter Gefahr für ihr eigenes Leben. Sie versteckten sie vor ihren Peinigern und halfen ihnen bei der Flucht aus Deutschland. Er hatte mich darum gebeten in Berlin ein gutes Wort für diese Leute einzulegen und das Hauptquartier davon zu überzeugen, dass man sie in Ruhe ließ. Er meinte ich als „Nationalheld“ würde das schon schaukeln, allerdings hatte ich abgelehnt. Nicht etwa, weil mir die Menschen egal waren. Es hatte damit zu tun, dass ich Soldat und kein Politiker war, dementsprechend die genauen Hintergründe nicht kannte und auch meine Familie nicht in Gefahr bringen wollte.

    „Ich bleibe bei meiner Antwort, Bernd.“

    Ich sah, wie sein Gesicht einen grimmigen Ausdruck annahm. Er nickte.

    „Schön! Ich dachte, dass ich mich wenigstens auf Dich verlassen könnte! Toller Freund bist Du!“

    Er schnippte seine Zigarette über das Geländer und verschwand nach drinnen. Ich ließ ihn in Ruhe. Was sollte ich auch Anderes tun? Meine Meinung stand fest und eine Diskussion war das Letzte, was ich an diesem Tag gebrauchen konnte. Als ich aufgeraucht hatte begab auch ich wieder hinein. Bernd war nirgends zu sehen.

    „Ist alles in Ordnung?“ fragte Erika mich, als ich zurück ins Esszimmer trat. „Was ist mit Bernd los?“

    „Wo ist er?“

    „Hat seine Jacke geschnappt und ist nach draußen. Gertrud ist bei ihm.“


    Ich nickte nur und half beim Abräumen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Erika mir immer wieder Blicke zuwarf, jedoch nichts sagte. Ich wusste, dass sie neugierig auf das war, was zwischen Bernd und mir auf dem Balkon vorgefallen war. Sie ahnte wohl auch schon über was wir gesprochen hatten. Auch sie wusste von Bernds Tätigkeit und seiner Bitte an mich ihn zu unterstützen – und genauso wusste sie, was meine Antwort gewesen war.

    Um zwanzig vor zehn am Abend verabschiedeten wir die letzten Gäste. Meine Eltern wollten über Nacht bleiben und am nächsten Tag wieder zu sich fahren. Mit Erika zusammen ging ich nun in unser Schlafzimmer. Jetzt spürte ich auch, wie müde ich war. Der Tag war anstrengend gewesen.

    „Worüber hast Du Dich mit Bernd gestritten?“

    „Über Dasselbe wie beim letzten Mal.“

    „Glaubst Du nicht, dass Du ihm helfen kannst?“


    „Nein, Rika. So sehr ich es auch wollte, aber da bin ich machtlos.“

    „Versuch es wenigstens!“

    „Ich kann es nicht, Liebling! Tut mir Leid!“


    Ich sah ihr an, dass sie nicht glücklich mit meiner Einstellung war. Sie wusste ja auch nicht, was uns im schlimmsten Fall erwarten konnte.

    „Und Bernd?“

    „Der wird sich schon wieder beruhigen. Vielleicht sieht auch er irgendwann ein, dass ich ihm nicht helfen kann – und das Ganze nicht böse ihm gegenüber meine.“


    Ich hoffte bloß, dass es dann noch nicht zu spät war. Er konnte immerhin jederzeit geschnappt werden. Was dann mit ihm geschah mochte ich mir lieber nicht ausmalen.

    „Gute Nacht, Rika.“

    „Gute Nacht.“


    Ich gab ihr einen Kuss, legte mich in die Kissen und schlief bald darauf ein.

  12. #292
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    Wir bewundern euch für eure mitreissenden Geschichten, da wir so etwas gar nicht zustande bringen würden. Aber wir sind nicht neidisch, wir haben nur gehörigen Respekt vor euch... Daher sagen wir bitte weiter so...!!

    herzliche grüsse

    Hohenlohe...
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  13. #293
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    Werter Hohenlohe, Ihr macht Uns ganz verlegen. Vielen Dank für die netten Worte.

    Wir schreiben halt gerne und auch schon einige Jahre. Da ist es immer schön, wenn man bestätigt wird.

  14. #294
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    Werter Voetmann, wir sagen euch nur, was wir von euren Geschichten halten, weil es ehrlich so meinen...

    herzlichste grüsse

    Hohenlohe...
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  15. #295
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    25. Juli 1940
    15:00 Uhr


    Es klopfte an meiner Bürotür.

    „Herein!“

    Ein junger Mann, schätzungsweise zwei Jahre jünger als ich, betrat den Raum und grüßte mich.

    „Herr Korvettenkapitän, Leutnant Anton Bayer meldet sich zum Dienst!“

    Ich wusste natürlich sofort, um wen es sich handelte. Vor mir stand mein neuer IWO.

    „Ah, Leutnant! Danke für Ihr promptes Erscheinen. Kann ich Ihnen etwas anbieten?“

    „Vielen Dank, Herr Korvettenkapitän.“

    „Kaffee?“

    „Gerne.“


    Ich mochte diesen Typen nicht. Das war mir schon klar, als er zur Türe hinein kam. Aus seiner Akte wusste ich, dass er der Sohn eines Parteimitglieds war und selbst äußerst linientreu. So einer hatte mir gerade noch gefehlt! Ich ahnte, dass es auf meinem Boot Schwierigkeiten mit ihm geben konnte. Schon jetzt vermisste ich Oberleutnant Tillmann.

    „Sie haben schon Fronterfahrung?“

    „Ja, Herr Korvettenkapitän. Ich habe als IIWO auf U47 unter Kapitänleutnant Prien gedient.“

    Ich nickte. Erfahrung war schließlich immer gut. Egal, von wem sie kam.

    „Herr Korvettenkapitän? Darf ich offen sprechen?“

    „Nur zu, Leutnant.“

    „Das sind wirklich heldenhafte Taten, die Sie auf Ihren letzten Fahrten vollbracht haben! Unser Führer ist sehr stolz auf Sie!“


    Ich sagte nichts. Es war mir ohnehin mehr als unangenehm darauf angesprochen zu werden; die Art aber, wie Leutnant Bayer es sagte – mit soviel Stolz und Kälte – machte mich wütend. Ich wollte ihn nicht auf meinem Boot haben.

    „Haben Sie sich schon mit der Besatzung bekannt gemacht?“

    „Ja, Herr Korvettenkapitän.“


    Ich sah ihm an, dass er nicht sonderlich begeistert von meinen Männern zu sein schien.

    „Aber?“

    „Nun, wie soll ich es sagen? Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, doch passen diese Leute nicht ins Bild.“


    „Sie passen, Leutnant! Sie sind eine ausgezeichnete Mannschaft!“

    „Das glaube ich, Herr Korvettenkapitän. Bei Ihren Erfolgen muss das wohl so sein.“

    „Arrangieren Sie sich mit ihnen, Bayer. Das müssen wir schließlich auch tun!“

    „Jawohl, Herr Korvettenkapitän!“

    17:11 Uhr

    Ich saß mit meinen Offizieren im Offizierskasino bei einem Bier. Auch Leutnant Bayer war dabei. So wenig ich ihn auch mochte, so gehörte er nun einmal zu meiner Besatzung und wir alle mussten das Beste daraus machen. Vielleicht gelang es uns ja irgendwann doch eine Beziehung zueinander aufzubauen – obwohl ich zum jetzigen Zeitpunkt dafür keine Chancen sah.

    „Was glauben Sie, Herr Kapitän? Müssen auch wir jetzt nach Frankreich?“

    „Ich weiß es nicht, LI. Ich hoffe nicht.“


    Im vergangenen Monat hatte Deutschland Frankreich eingenommen. Nach heftigen Kämpfen hatten die Franzosen schließlich kapituliert. Dies brachte wieder etwas Hoffnung bei mir auf, dass der Krieg vielleicht doch bald vorbei war. England hatte nun keinen Bündnispartner mehr an seiner Seite und stand ganz alleine da. Vielleicht begriffen die Briten bald, dass sie auf verlorenem Posten standen.

    „Frankreich wäre der ideale Ort für uns, Herr Kapitän.“, meldete sich nun der IWO zu Wort. „Wir könnten ohne Umwege direkt in den Atlantik und den Tommys die Hölle heiß machen! Ein Schiff nach dem anderen auf den Meeresboden schicken!“

    „Das machen wir auch schon in der Nordsee, IWO.“


    „Dennoch, Herr Kapitän. Bedenken Sie doch einmal die Möglichkeiten! Der Atlantik ist direkt vor der Haustür! Keine Royal Air Force mehr. Nur noch wir und der Feind.“

    Ich nahm einen großen Schluck meines Bieres. Wenn Leutnant Bayer weiterhin seine Reden schwang musste ich aufpassen, dass ich ihm gegenüber nicht irgendwann die Beherrschung verlor – oder einer meiner Männer. Auch die beiden anderen Offiziere an diesem Tisch waren vom neuen IWO nicht begeistert, das hatte ich sofort gemerkt.

    „Warten wir es einfach ab.“

    Die Tür ging auf und ich sah Leutnant Schmidt, den Adjutanten des Flottillenchefs den Raum betreten. Er sah sich kurz um, erblickte mich und kam dann direkt auf unseren Tisch zu.

    „Oh nein...“

    „Herr Korvettenkapitän? Es tut mir Leid, dass ich Sie stören muss. Korvettenkapitän Fischer möchte Sie in seinem Büro sehen.“

    „Wann?“

    „Jetzt. Ich soll Sie zu ihm bringen.“


    Seufzend erhob ich mich. Was war nun schon wieder los?

    „Meine Herren.“, verabschiedete ich mich von den drei Männern. „Wir sehen uns.“

  16. #296
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    Also der letzte Silent Hunter AAR, den ich las und in dem ein Nazi IWO eine Rolle spielte, ging besagter IWO über Bord, welch schrecklicher Unfall!

    Aber ich will euch nicht auf Gedanken bringen

  17. #297
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    Na, Wir wollen ja nicht die Idee vom werten Peters klauen.
    Wir überlegten beim Schreiben auch, ob Wir nicht mal ganz lieb bei einem vorbeikommenden Tommy-Zerstörer klingeln sollen oder so...

  18. #298
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    Könnte man den nicht als "Torpedo" rausdrücken sozusagen...?
    Klotzen,nicht kleckern!

  19. #299
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    Zitat Zitat von Lord Elma Beitrag anzeigen
    Könnte man den nicht als "Torpedo" rausdrücken sozusagen...?
    Höchstens als Enterkommando...*grins*

    herzlichste grüsse

    Hohenlohe...
    In memoriam Stauffenberg, jota und CJ...
    YouTube - ‪St. Michael, the Archangel‬‏

  20. #300
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    Zitat Zitat von Lord Elma Beitrag anzeigen
    Könnte man den nicht als "Torpedo" rausdrücken sozusagen...?
    Hm... es wäre allerdings mal interessant zu erfahren, ob so etwas funktioniert.

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