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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Denkmal für Georg Elser


Elvis
19-02-2008, 10:06
http://www.n-tv.de/920966.html?180220081854

Sein Name ist fast unbekannt. Seine Tat lediglich leidlich der breiten Öffentlichkeit geläufig.

Er war von der ersten Stunde in Jugendtagen an, in denen ich von seiner Geschichte hörte einer der wenigen "Helden" für mich.

Ein kleiner Schreiner, der ohne Parteibindung, ohne Organisation, ohne Rückhalt, Machtgedanken, Eigennutz und ohne das er oder seine Familie zu Minderheiten oder verfolgten gehörten, alleine seinem Gewissen folgend, seiner Freiheitsliebe und seinem Instinkt für Recht und Unrecht ein Attentat gegen Hitler plant und durchführt. Er begann die Planung zu einer Zeit, als der Krieg noch nicht begonnen hatte (1938) und führte die Tat durch, als Hitler noch unantastbar schien und die Menge auf seiner Seite hatte. Aber er sah den Krieg kommen und wollte seine Ausdehnung (Attentat im November 1939) unbedingt verhindern.
Für mich ungleich bewundernswerter als die Offiziersclique die Hitler den Krieg erst ermöglichte und erst von ihm Abfiel als der Krieg schon nahezu sicher verloren war.

Doch eine berechtigte Frage bleibt im Raum? Darf man einen Attentäter bewundern, der das legal an die Macht gelangte Staatsoberhaupt ermordet?

Es ist zynisch, das wenn Georg Elsner Erfolg gehabt hätte und angenommen die schlimmen Gräuel der Nationalsozialisten wären dann nicht passiert, das er wohl für die Nachwelt als Terrorist gegolten hätte. Den alles was wir jetzt mit der Person Hitlers verbinden, wäre dann ja vielleicht nicht passiert. Vielleicht auch trotzdem und man hätte es umgedeutet, das es diese schreckliche Entwicklung unter Hitler nicht gegeben hätte.

Ist es also statthaft einen Attentäter zu bewundern?
Ich denke es ist durchaus ein Zweischneidiges Schwert. Zu viele fühlen sich berufen ihre eigene Ansicht über die aller anderen zu stellen.
Auch die RAF war der Überzeugung einen Unrechtsstaat zu bekämpfen.

Wenn uns die Geschichte aber durch ihre Entwicklung aufzeigt, das ein Attentäter mit seiner nahezu isolierten Ansicht recht hatte, finde ich es jedoch absolut gerechtfertigt seinen Namen in Ehren zu halten und sich seiner zu erinnern.
Es ist wohl das Los des politisch mordenden, das es der Geschichte Bedarf, seine Tat zu beurteilen und die Welt nie erfahren wird, wie es gekommen wäre, wäre sein Anschlag geglückt oder in anderen Fällen verhindert worden.
So obliegt die rückwirkende Beurteilung vieler Attentätter wohl schlicht dem Zufall.

Nur der Fehlschlag Elsners gab der Welt die Möglichkeit zu sehen, was er versuchte schon so früh zu bekämpfen.

Diese einsame Entscheidung im festen Glauben an das eigene Wertesystem, die einem einfachem Mann die Entschlusskraft verlieh seine Staatsführung im Alleingang zu beseitigen und er bereit war dafür alles aufzugeben ohne einen persönlichen Nutzen oder gar Anerkennung seines Umfeldes oder Bestärkung von Gesinnungsgenossen zu haben, ist es was mich an diesem Mann und seiner Tat so fasziniert.

Das ihm zu Ehren in Berlin jetzt ein Denkmal errichtet wird, finde ich mehr als angemessen. Er ist ein Symbol von Zivilcourage in letzter Konsequenz.

Seine Geschichte wird oft noch falsch dargestellt und seine Familie hat noch lange nach Kriegsende unter Vorwürfen zu leiden. Er selber wurde 1939 verhaftet und verbrachte 5 Jahre im KZ in Isolationshaft. Man wollte ihm erst nach dem Endsieg in einem Schauprozess verurteilen.
Als der Krieg sicher verloren war, wurde er stattdessen im April 1945 noch schnell hingerichtet.

dooya
19-02-2008, 10:13
Ich denke schon, dass eine solche Tat gerechtfertigt ist. In unserem Grundgesetz sind solche Attentate sogar geregelt:

Artikel 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Ich denke mal, dass diese Klausel auch Attentate abdeckt.

Elvis
19-02-2008, 10:29
Ja, natürlich. Aus heutiger Sicht und heutigem Recht ist seine Tat sicher unbestritten.

Ich freue mich wirklich über seine Ehrung. Das Stauffenberg immer so in den Mittelpunkt des Gedenkens an den Widerstand gerückt wurde, empfand ich auch angesichts der vielen kleinen Heldentaten immer als etwas unbefriedigend.

Viele der Namen und Geschichten über Deutsche, die auch dem Holocaust Widerstand geleistet haben, werden in der "Allee der Gerechten unter den Völkern" in Yad Vashem bewahrt.

Es mutet, am Rande bemerkt, allerdings schon etwas Merkwürdig an, das hier die Israelis erheblich mehr leisten Deutscher Widerständler zu gedenken und ihre Geschichte zu bewahren, als dies die Deutschen selber vermögen.

Auf irgendeiner Internetseite kann man die Geschichte der dort geehrten nachlesen. Ein Sammelsorium kleiner und größerer Heldentaten, die mich viel mehr bewegen, als ein Stauffenberg.

Ich finde es wichtig, das gerade die geehrt werden und als Vorbild dienen, mit denen sich der gemeine Bürger auch identifizieren kann. Sonst bleibt Widerstand etwas abstraktes, der intellektuellen Elite vorbehaltenes.

Der Zarewitsch
19-02-2008, 12:27
Das ist ja das Beschämende, edler Elvis; dass trotz des NS-Irrsinns das deutsche Kollektiv nach dem Kriege nicht im Stande war irgend etwas einzusehen. Männer wie Elser und all die anderen mehr, weniger oder gar nicht bekannten Widerstandskämpfer galten und gelten als "Vaterlandsverräter". Mitläufer und Täter konnten nach '45 weiter schön Karriere machen, während die, die "gegen den Strom schwammen" geschnitten und ins Abseits geschoben wurden.

Euer Beispiel, lieber Elvis, zeigt es ja nur zu deutlich. Über 60 Jahre nach Elsers Tat wird immer noch darüber diskutiert, ob des Mannes gedacht werden soll oder nicht.

Man bedenke nur, welche vermeintlichen Ehrenbürger mit Ihren Namen Strassen, Plätze und Gebäude schmücken dürfen. KOTZ!!!!!

Hasardeur
19-02-2008, 12:48
Werte Mitregenten !

Ich risikiere es an dieser heikelen Stelle, eine etwas andere Meinung zu vertreten :

Es sollte außer Zweifel stehen, dass viel Unheil hätte vermieden werden können, wenn Adolf Hitler an diesem 08.11.1939 ums Leben gekommen wäre. Selbst wenn man die Frage, ob Gewalt Gegengewalt rechtfertigt, mit "Ja" beantwortet - was im übrigen einen ganzen Schwanz von Grenzziehungsdiskussionen nach sich ziehen kann - bleibt an Elsers Tat für mich der ein oder andere Makel haften.

Elser wählt nicht den Weg, sein Leben gegen das der "Bestie" mittels z.B. einem Pistolenattentat zu tauschen, nein, er nimmt ganz bewußt in Kauf, dass auch andere, vielleicht sogar Unbeiteiligte, bei der Tat ums Leben kommen.

Nachdem die Tat vorbereitet ist, wartet er nicht ab, um sich gegebenenfalls zu rechtfertigen, anstatt dessen versucht er, in die Schweiz zu flüchten.

Aus diesem Grund kann ich zwar die Motive Elsers akzeptieren und vielleicht sogar schätzen, die Ausführung der Tat ist für mich moralisch aber äußerst fragwürdig.

Und, bevor Ihr mich für meine Meinung nun in der Luft zerreißt, denkt bitte an Eure eigenen Argumentationen z.B. in dem Thread, in dem es um die Frage ging, ob es gerechtfertigt sei, ein Flugzeug abzuschießen, was wohlmöglich als fliegende Bombe eingesetzt werden soll ! :)

Grüsse

Jorrig
19-02-2008, 13:08
Ich denke, in Deutschland wurde mit der Verehrung von Widerstandskämpfern wohl eher deswegen etwas zurückgehalten, weil dadurch im Ausland leicht der Verdacht aufkommen könnte, Deutschland wolle seine Schuld herunterspielen und mit solchen Beispielen die schlechten Beispiele überdecken. Das kann man den Franzosen oder Italienern heute noch vorwerfen, bloß waren die auch nicht Hauptschuldige im Krieg und verantwortlich für die ganzen Kriegsverbrechen. Aber fragt mal da herum, dort gibt es nur Resistance und Partigiani, Faschist war damals niemand.

Der Zarewitsch
19-02-2008, 13:16
Teurer Hasardeur, ich will mich selbst nicht in eine so moralisch tiefgehende Diskussion verstricken. Politischer Mord - gut oder böse? Wenn gut, dann bis zu welchem Punkt?
Ist er überhaupt erlaubt?

Rein von der Durchführung bin ich ganz Eurer Meinung. Der politisch motivierte Attentäter muß sein Wohl über das der Sache stellen. Also, konsequenterweise sich opfern, wenn es die Aussicht auf Erfolg maximiert. Hat Stauffenberg nicht gemacht, nicht von Treskow, nicht Elser.

Mir wichtig ist, daß Menschen, die sich gegen das NS-Regime stellten, überhaupt genannt werden. Wir müssen doch feststellen, dass viel Deutsche bezüglich der Zeit 1933-45 immer noch so gut wie gar nichts gelernt haben. Die jungen Generationen wissen nicht einmal, was da überhaupt los war!

Solange aber Ex-Nazis aus Politik und Wirtschaft Orden, Titel und Straßennamen verliehen bekommen, solange bin ich auch dafür, daß Hitlergegner zu Ehren kommen müssen.

Elvis
19-02-2008, 13:53
Elser wählt nicht den Weg, sein Leben gegen das der "Bestie" mittels z.B. einem Pistolenattentat zu tauschen, nein, er nimmt ganz bewußt in Kauf, dass auch andere, vielleicht sogar Unbeiteiligte, bei der Tat ums Leben kommen.
Grüsse

Euer Einwand ist durchaus berechtigt.
Soweit mir bekannt galt das Attentat jedoch tatsächlich nicht nur Hitler, sondern möglichst vielen führenden Nationalsozialisten, da die jährliche Rede im Hofbräuhaus vornehmlich den Kameraden "der ersten Stunde" galt und somit auch vornehmlich die Clique der Leistungsträger des Regimes versammelt war.

Das hierbei zweifellos auch das Leben von ordinären Ordonanzen und als unbeteiligten geltende bewusst riskiert wurde, steht jedoch außer Frage.

Ganz praktisch werfe ich die Frage auf, welch andere Möglichkeiten ein einfacher ungedienter Schreinergeselle gehabt haben sollte, dicht genug an den Führer heran zu kommen, um eine andere Art der erfolgversprechenden Ausführung der Tat zu wählen?
Derlei Möglichkeiten dürften wohl eher im Bereich der potenziellen Attentäter gelegen haben, die auch Zugang zu Hitler hatten.

hokaro
19-02-2008, 14:23
Darf man einen Attentäter bewundern, der das legal an die Macht gelangte Staatsoberhaupt ermordet?
legal finde ich die Machtergreifung nicht, auch wenn die Reichstagsbrandverordnung (http://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_des_Reichspr%C3%A4sidenten_zum_Schutz_von_Volk_und_Staat) den Anschein von Legalität vermitteln sollte.

AG_Wittmann
19-02-2008, 14:25
Ähm, welchen Wert hat denn heute eigentlich so eine "Ehrung" der Widerständler etc.?

In meiner Stadt gibt es einen Park für die Opfer des Faschismus, aber mittlerweile wird der als Kackplatz für die Hunde gebraucht ...

Ehrlich gesagt, erschließt sich mir nicht der Sinn einer solchen Ehrung, eine Straße, ein Platz oder ein Gebäude, welche einem Widerständler oder Opfer gewidmet ist und niemanden interessiert es.

Der Zarewitsch
19-02-2008, 15:41
Nun, da seht Ihr falsch, werter AG_Wittmann. Es gibt auch welche, die es schon interessiert. Klar, die Masse denkt an Fressen, Ficken, Fernsehen und der Lebenssinn ist erfüllt. Vielleicht wären solche "Mahnmale" auch nicht notwendig, wenn man aus der Vergangenheit gelernt hätte. Aber dem ist leider nicht so. Solange in diesem Land eine NPD Regierungsmandate erhält, Asylanten (zu Tode) geprügelt werden, jüdische Einrichtungen bewacht werden müssen, Politiker dummdreiste NS-Vergleiche anstellen und Lehrpläne einschneidende Phasen der Geschichte schlichtweg überspringen, kann es für mich nicht genug Mahnung geben.

Arminus
19-02-2008, 18:47
Doch eine berechtigte Frage bleibt im Raum? Darf man einen Attentäter bewundern, der das legal an die Macht gelangte Staatsoberhaupt ermordet?Ein Thread über den Diskurs des Tyrannenmords und Monti hat noch nichts gepostet? :D


Nun ja, war's es Mut oder Wahnsinn, zu versuchen alleine Hitler zur Strecke zu bringen? Unterstelle ich ihm mal den Mut, sich gegen ein zunehmend totalisierendes System zur Wehr zur setzen, muss ich im meinen Respekt zollen, ich hätte mir so etwas nicht zu getraut.


Auf der anderen Seite ist es wiederum enttäuschend zu lesen, dass er eine Ausweitung des Krieges zu verhindern versuchte. Diese Motivation läßt ihn im Lichte des typischen deutschen Widerständlers erscheinen. Die Angst vor einem verloren Krieg war einfach größer als die vor den Nazis. Schon um einiges weniger bewundernswert.

Elvis
19-02-2008, 19:08
Auf der anderen Seite ist es wiederum enttäuschend zu lesen, dass er eine Ausweitung des Krieges zu verhindern versuchte. Diese Motivation läßt ihn im Lichte des typischen deutschen Widerständlers erscheinen. Die Angst vor einem verloren Krieg war einfach größer als die vor den Nazis. Schon um einiges weniger bewundernswert.

Als wichtigste Quelle für seine Motivation gelten die Gestapoverhöre, sowie die Aussagen vernommener Zeugen und Verwandter, Nachbarn etc.

Elser hat früh das totalitäre Regime erkannt. Ist nie zu befohlenen Massenveranstaltungen erschienen und verweigerte Konsequent den Hitlergruß von Beginn an.
Seine Vorbereitungen begannen lange vor Kriegsausbruch. Details über den Ablauf und die wesentlichen Auzüge der Gestapoverhöre, kann man hier einsehen http://www.georg-elser.de/dok/index.html

Die Angst vor einem verlorenen Krieg dürfte es demnach auf keinen Fall gewesen sein. Seine Motivation war nachvollziehbar das verhindern eines Krieges. Und da er das Attentat nicht mehr rechtzeitig vor Kriegsausbruch durchführen konnte, eben der Versuch durch die Tat eine Eskalation des Krieges zu verhindern. Zu dieser Zeit herrschte an der Westfront ja noch Waffenruhe.

Da er scheinends von Beginn an den Nationalsozialisten und ihrer Ideologie ablehnend gegenüber stand, scheint er mir im Gegensatz zu anderen geehrten Widerständlern wie der zuerst eher eifrige Stauffenberg, erheblich glaubwürdiger in seiner moralischen Haltung.