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Gettysburg
26-09-2005, 07:41
Unabhängig davon, wie die Sondierungsgespräche und Koalititonsverhandlungen ablaufen und welches Ergebnis sie mit sich bringen: Eine rot-grüne Bundesregierung wird es danach erst einmal nicht mehr geben. Zeit für einen kleinen Rückblick, um festzustellen welches Kabinettsmitglied mit seiner Amtsausübung einen positiven Eindruck hinterlassen wird.

Wer hat eurer Meinung nach in der letzten Legislaturperiode "einen guten Job" gemacht? Mit wessen persönlicher Leistung wart ihr zufrieden? Wenn ihr einen absoluten Liebling habt, der in der ersten Legislaturperiode einen Ministerposten hatte, nennt ihn bitte mit Begründung. Alle 25 Minister der rot-grünen Regierungszeit in die Umfrage einzubeziehen hätte selbige gesprengt.

Gewinner:
Für mich persönlich ist zunächst einmal Renate Künast der heimliche Star des Kabinetts. Ihr Ministerium zeichnete sich nicht durch große Skandale, sondern durch engagiertes Eingreifen in Krisen, verbraucherfreundliches Handeln und Bemühen um Aufklärung aus. Sie selbst war souverän und verfolgte eine klare Linie im Einklang mit ihrem Ministerium und ließ sich auch in öffentlichen Auftritten, bei denen sie einer ihr wenig wohlgesonnenen Mehrheit gegenüber stand nicht davon abbringen. Vermutlich alte JVA-Bediensteten-Schule. ;)

Man mag den Visa-Skandal in seiner Bedeutung und Tragweite interpretieren wie man will. Bis auf diesen Schönheitsfleck war Joschka Fischer ein würdiger Vertreter Deutschlands im Ausland. Sein Bemühen im nahen Osten sowie seine beherzten Auftritte vor internationalen Organisationen haben Deutschlands Ansehen mit Sicherheit nicht geschadet, sondern die Eingliederung des gesamtdeutschen Staates mit dementsprechender Bedeutung in die internationale Staatengemeinschaft im Sinne der bundesdeutschen Tradition weiter vorangetrieben. Sicherlich sind Fischers medienträchtige Leistungen in der zweiten Legislaturperiode deutlich zurückgegangen, aber ein Außenminister kann eben gegenüber der Öffentlichkeit nur soviel leisten, wie es seine Amtszeit hergibt.

Verlierer:
In der Umfrage ist diese Thematik zwar nicht enthalten, aber ich nenne sie mal der Vollständigkeit halber:

Wer als Geschäftsführer einen Vertrag für ein Unternehmen mit einem anderen Unternehmen abschließt und dieses darin mehr oder weniger komplett von der Haftung für Schlechterfüllung befreit, würde wohl nicht allzu lange auf seiner Position verbleiben, insbesondere wenn der Fall der Schlechterfüllung eintritt.
Anders wenn jemand für den Staat einen Vertrag gleichen Inhalts mit einem Unternehmen abschließt. Ich kenne zwar nicht die geschäftlichen Besonderheiten eines Vertragsabschlusses im Rahmen der staatlichen Auftragsvergabe, frage mich aber dennoch wie Manfred Stolpe und seine Behörde "Toll Collect" derartig privilegieren konnten. Liegt es daran, dass es nicht "ihr Geld" war, welches da beim ersten Versuch in den Sand gesetzt wurde? Jedenfalls die Nummer 1 unter den Verlierern.

Darüberhinaus muß sich Hans Eichel, obwohl mir klar ist, dass er wohl den schwersten Job zu erledigen hatte, das Ergebnis seiner Arbeit zurechnen lassen. Dies leider, obwohl er mir als Person aufgrund seiner Sachlichkeit recht sympathisch war und auch die grundsätzlichen Fehler in der Richtungspolitik auszubaden hatte.


Dem Rest stehe ich eigentlich recht neutral mit leichten plus und minus-Differenzen gegenüber.


Edit: Ich habe Gerhard Schröder widersprechend zum Threadtitel mit einbezogen. Schließlich gehört er zum Kabinett dazu und ist schließlich sowas wie der "Ministerchef". ;)

Balduin v.Bouillon
26-09-2005, 08:14
Fischer hat für mich den besten Job gemacht. Er hat Deutschland auch in schwierigen Situationen sehr gut vertreten.
Hab auch den Eichel mal gewählt, wer weiß ob ein anderer auf seinen Posten besser gewesen wäre. Er hatte sicherlich den beschissesten Job von allen und freut sich jetzt da lebend rausgekommen zu sein.

MFG Balduin

Faultierasai
26-09-2005, 08:33
Heidemarie Wieczorek-Zeul ist wohl die Unperson für mich. Für die meisten wohl eher unbekannt ist sie Ministerin für äh irgendwas.
Was hat sie getan? Eigentlich nicht viel. Hauptsächlich in Namibia ihr Unwesen betrieben. Dank ihr hat Deutschland eine Wiedergutmachung an die Herero gezahlt. Ca. 10 Mio Euro. Soweit so gut, doch wie sie das tat war eher eine Art schlechter Witz. Ich habe nich allzuweit entfernt gestanden als sie da unten fast heulend und winselnd um Entschuldigung gebeten hat. Das war mir als Deutschen echt peinlich da zusehen zu müssen. Den Namibiern ging es genau so. Aber ! Der Oberhäuptling kassiert das ganze Geld und wurde daraufhin abgewählt. Jetzt kam der Stammesrat der Herero und Ovambo und wollte die Knete. Und Deutschland zahlte wieder. Deutschland hat mittlerweile 160 Mio Euro da unten an Wiedergutmachung gezahlt. Und das für nix, denn mit dem Geld wurde ein Denkmal errichtet statt was nützliches zu tun. Und darum ist diese Person für mich als Politikerin nicht mehr tragbar. da fehlt halt Rückgrat.

Aber ich habe keine angekreut, da hätte man in vielen Bereichen besseres abliefern können. Auch wenn die Opposition vieles verhindert hat.

Preussenhusar
26-09-2005, 08:39
Ich habe Fischer, Struck, Schily und Künast eine gute Bewertung gegeben.

Warum?

1. Außenminister Josef (Joschka) Fischer, der bis vor Kurzem beliebteste Politiker Deutschlands.
In ruhigem, aber bestimmtem Ton hat er die Friedenspolitik verkörpert.
Bereits am Anfang der Regierungszeit nahezu unumstritten, wurde er sogar von seinem Vorgänger Klaus Kinkel in seiner Amtsführung gelobt.

Die ständigen Auseinandersetzungen mit der eigenen Parte konnte er für sich und einen pragmatischen Kurs entscheiden (Kosovo, Afghanistan) und mehrte als wohl einziger im Kabinett wirklich eidesgemäß für Deutschland "seinen Nutzen ".

Als Friedensmanager im Nahen Osten scheiterte er letztlich an der Starrköpfigkeit seiner Gesprächspartner, aber dennoch ist sein Wirken in der Region sehr wichtig gewesen für den weiteren Prozeß.
An seine Lauterkeit und echtem Willen zur Veständdigung hege ich keinen Zweifel.
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Innenminister Otto Schily, SPD

der älteste Minister, der aus Pflichtgefühl bereits 2002 gegen seine Absicht erneut Minister wurde, hat in der Phase der chaotischen Wochen nach dem 11. September 2001, als der hessische Innenminster Bouvier bereits die Hochhäuser räumen ließ, Ruhe aber Entschiedenheit demonstriert.
Hektischer Aktivismus ist nicht sein Ding, aber gezielte Maßnahmen zur Sicherung vor Verbrechen.
So der biometrische Personalausweis bzw Reisepaß oder die Einbeziehung des BGS in die Polizeilichen Aufgaben.
Sein Name wird wohl im "Otto-Katalog" Bestand haben.
Daß er sich gut mit dem bayerischen Innenminster Günther Beckstein versteht, zeigt, daß seine Aktionen übergreifend im politischen Raum anerkannt werden.
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Renate Künast, die Verbraucherministerin
In der Zusammenführung aus dem Landwirtschaftsministerium und Teilen des Innnenministeriums hat sie ohne übertriebene Hektik doch immer zügig auf die vielen Krisen reagiert, sei es die Geflügenhaltungs-Verordnung, in den Zeiten der diversen Tierseuchen oder bei der Abwehr unsinniger EU-Regelungen.

Die oft als Lachnummern ankommenden Bestimmungen aus Brüssel versuchte sie verständlich zu machen - nicht immer mit Erfolg.

Ihr Engagement nehme ich ihr als ehrlich ab !

Sie gilt als kommende Führungskraft nach Fischers Rückzug aus der Parteispitze.
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Verteidigungsminister Peter Struck, SPD
"Die Freiheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt"
Dieser Satz, der ihm bei der Kabarettisten eine Einweisung in die geschlossene Abteilung einbringen würde, steht für die Bereitschaft, die deutschen Interessen in der Welt nicht nur mit dem Scheckbuch, sondern auch mit bewaffneten und spezialisierten Kräften der Bundeswehr zu schützen.

Er hat nicht laut auf der Bühne herumgepoltert, aber wenn, dann hat er deutlich gemacht, daß nur im internationalen Zusammenwirken eine Lösung der vielen Krisenherde denkbar ist.

Er galt eine Zeitklang als Alternative zu Schröder als Kanzler, ist aber im Amte verbraucht und durch seine verschwiegene Erkrankung nicht mehr sehr glaubwürdig.
Dennoch hat er seine Arbeit gut gemacht.

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Als blaß gilt mir besonders Brigitte Zypris.
Hans Eichel, Wolfgang Clement und Ulla Schmidt, die eigentlich die wichtigsten Ministerien geleitet haben (Wirtschaft, Arbeit,Finanzen und Soziales) haben meines Erachtens versagt.
dabei kommt ihnen nicht die Alleinschuld zu, aber es sind schon wirklich wichtige Dinge verschlafen oder durch Lobbyisten verhindert worden.
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Jürgen Trittin , der Lieblingsfeind im Kabinett, der den Atomausstieg so forsch anging und so weichgespült landete, hat sich meines Erachtens durch gepflegtes Nichtstun profiliert.
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Manfred Stolpe, der "letzte Preuße" ist durch die klägliche Mautaffäre unhaltbar geworden.
Einst als Ostminister gestartet, brach er, führungsschwach und vielleicht auch durch Vorverträge gebunden, an diesem Thema vollends ein.
Ein Rücktritt damals wäre Ehrenhafter gewesen.
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Edelgard Bulmahn wer ist das ? ;)

(klar kenn ich sie, aber muss man sie kennen ?)
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Und noch die gute Rote Heidi !
Mir ist sie als Ministerin nicht sehr bedeutend
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Zuletzt (nicht als Wertung)
Gerhard Schröder, Bundeskanzler

"Ich will hier rein" soll er am Kanzleramt rüttelnd gesagt haben

1998 brach er die Ära Kohl.
Medienwirksam verkaufte er seine Politik und blieb lange beliebt.
Die Fluten an Oder und Elbe "spülten" ihn 2002 erneut ins Kanzleramt.

Zwischenzeitlich mehr mit "ich bin der Bundeskanzler, holt mich hier raus" beschrieben, quälte er viele Gesetze mit Kanzlermehrheiten durch, für die eine effektive Große Koalition bereitgestanden hätte.

Er hat vieles angestoßen, aber nicht durchgezogen.
Rot-Grün war mehr als eine Episode, aber auch keine Epoche !
Es war nach den miefig gewordenen Jahren Kohl ein guter Wechsel, aber auch ein teurer !

Unsere Kinder (so vorhanden) und Enkel werden ihn einst einlösen müssen

Zusammenfassend, auch und besonders nach den letzten Wahlwochen und in der heißen Phase der Regierungsbildung (oder nicht-Bildung) kann ich sagen:
Danke, Gerd, aber es reicht !

PH

candyman2000
26-09-2005, 11:37
Für mich war es Joschka Fischer, der den besten Job gemacht hat....
Er ist für mich immer noch einer der vernünftigsten Politiker im Stab

Ich finde, als Aussenminister macht er was her.....
Er hat seinen Job gut gemeistert.

Hesse
26-09-2005, 19:41
Für mich war es lediglich Renate Künast. Sie hat in ihrem Ressort mutig notwendige Reformen angestossen, auch wenn sie gegen die großen konservativen Verbände anrennen muß. Mittlerweile hat man besonders in der Landwirtschaft erkannt, daß ihre Marschrichtung richtig war. In Gesprächen ist sie meist sehr sachlich und eloquent und tritt selbstbewußt mit ihrem Fachwissen auf. Daher hat sie für mich ihren Job wirklich gut erledigt.

Die restlichen Minister hatten meiner Ansicht nach überwiegend Negatives.

Lord Protector
26-09-2005, 22:34
Ich habe nur Jürgen Trittin und Otto Schilly gut bewertet. Joschka wird hingegen überbewertet.

the general
26-09-2005, 22:43
Als gute Minister habe ich folgende Personen eingestuft:

Joschka Fischer

Wegen seinem diplomatisch gutem Handeln in der Außen- und Weltpolitik. Ich hätte mir nichts schlimmeres vorstellen können, als das ein CDU-Außenminister an seiner Stelle gewesen wäre :eek: Er hat zwar auch Fehler gemacht, aber wer macht die nicht?

Peter Struck

Sein einziger Fehler war der Spruch "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt". Das wird und soll es nämlich nicht. Die Bundeswehr soll die Interessen Deutschlands in der Welt waren und vor allem Europa und die Umgebung verteidigen und nicht an entfernten Orten die höchstens für die US-Politiker interessant sind. Deutsche Soldaten haben in Afghanistan nichts zu suchen! Ich finde ihn aber trotzdem gut, weil ich denke das die Reform die er weitergeführt hat richtig war und er es gut gemanaget hat.

Otto Schily

Ich denke das er gut für die Innere Sicherheit Deutschlands sorgt. Er hat zwar auch manchmal dumme Ideen, aber wer hat die nicht?
Mehr gibt es dazu eigentlich net zu sagen.

Colonel Chris
27-09-2005, 07:52
@the general

Es behagt vielen nicht, daß Deutsche Soldaten in Afghanistan sind, doch muß ich hier dem noch amtierenden Vtdgsmin. zustimmen. Weltweiter Terror geht uns alle etwas an - auch, wenn wir bisher noch nicht direkt vom islamistischen Terror betroffen wurden.
Werden Truppen in Afghanistan abgezogen, eröffnen wir dort wieder alle Möglichkeiten für Terrroristen, sich eine ordentliche Basisinfrastruktur in diesem Land zuzulegen, während sie jetzt gezwungen sind, weniger effektiv im Untergrund zu agieren.

Und Deutschland will nun mal eine gewichtigee Rolle in der Weltpolitik spielen - da kann es sich hier nicht vornehm zurückhalten, sondern muß Farbe bekennen und für die Weltgemeinschaft mit Verantwortung übernehmen.

candyman2000
27-09-2005, 11:33
Heidemarie Wieczorek-Zeul ist wohl die Unperson für mich. Für die meisten wohl eher unbekannt ist sie Ministerin für äh irgendwas.
Was hat sie getan?]


DAS hat sie gemacht


Heidemarie Wieczorek-Zeul


Lehrerin, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung



Geboren am 21. November 1942 in Frankfurt am Main.
1961 bis 1965 Studium von Englisch und Geschichte an der Universität Frankfurt am Main.
1965 bis 1974 Lehrerin an der Friedrich-Ebert-Schule in Rüsselsheim.
1977 bis 1979 Vorsitzende des “Europäischen Koordinierungsbüros der internationalen Jugendverbände”.
1965 Eintritt in die SPD; 1974 bis 1977 Bundesvorsitzende der Jungsozialisten; 1987 Bezirksvorsitzende der südhessischen SPD, 1984 Mitglied des SPD-Parteivorstandes, 1993 stellvertretende Vorsitzende der Bundes-SPD und europapolitische Sprecherin der SPD u.a. mit dem Schwerpunkt Europäische Entwicklungspolitik. 1968 Stadtverordnete in Rüsselsheim, 1972 Mitglied des Kreistages Groß-Gerau. 1979 bis 1987 Mitglied des Europäischen Parlaments, Mitglied im Außenwirtschafts- und im Frauenausschuß.
Mitglied des Bundestages seit 1987; europapolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, seit 27. Oktober 1998 Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Arminus
27-09-2005, 13:15
Ich hab meine Wahl getroffen (Schörder, Fischer, Schilly, Struck, Künast & Trittin), allerdings unter dem Aspekt der effektiven Durchführung eines Projekts, nicht von meiner inhaltlichen Übereinstimmung mit dieser Arbeit oder meiner sonstigen Meinung zu dieser Person. Von Gerhard Schröder halte ich beispielsweise überhaupt nichts mehr, seine Arbeit als Kanzler respektiere ich aber insofern, als das er es schaffte, sinnvolle Reformen gegen seine eigene Partei durchzudrücken. (Ob diese Reformen jetzt ausreichend waren, sei mal dahingestellt.)

Ähnlich ist es mit Hrn. Schilly, der mir als Mann für Sicherheit und Fuppes (nach WDR 2: Minister für Inneres und Faustrecht) immer suspekt war, der aber seine Sicherheitsgesetze sehr gut durch- und umsetzen konnte.

Daneben möchte ich hier noch mal eine Lanze für Hrn. Trittin brechen, denn auch wenn ich mit ihm in sehr vielen Punkten nicht übereinstimme, er zu sehr falschen Zeitpunkten sehr falsche Sachen gesagt hat, so sehe ich doch Erfolge in seiner Arbeit. Denn komischerweise jammert heute niemand mehr über den Dosenpfand. Klar wurde sich gewehrt und geweigert, im Endeffekt hat die deutsche Gesellschaft akzeptiert, dass Dosen als Verpackungsmittel wohl nicht mehr zeitgemäß sind...

[B@W] Abominus
27-09-2005, 14:14
An sich kann ich mit allem D'Accord gehen, Arminus, nur zum Dosenpfand noch ein Nachtrag: Die Idee dazu kam nicht primär aus der Grünen Ecke, sie hat es nur durchgesetzt. Die CDU war - als es akut wurde - dagegeben, obwohl (1994 war es glaube ich) die Idee dazu dort geboren wurde.

Arminus
27-09-2005, 14:28
Nun, es gab doch eine gesetzlich festgeschriebene Quote für Verpackung aus dieser Zeit, und da die tatsächliche seit längerer Zeit rückläufig war, mußte das Umweltministerium handeln...

Boltar
27-09-2005, 15:15
Ich hab nur Fischer gewählt, bei andern kann ich mich kaum an gute Leistungen erinnern, wobei Künast und Eichel bei mir noch das höchste ansehen haben.

Zu Tritt ihn:
Wenn man bedenkt, wie lange es schon einen Dosenpfand in andern Staaten gibt (Schweden zum Beispiel) ist es nicht als Erfolg zu werten, dass die Umsetzung so grottenschlecht und schleppend war.


MfG

the general
27-09-2005, 16:41
@the general

Es behagt vielen nicht, daß Deutsche Soldaten in Afghanistan sind, doch muß ich hier dem noch amtierenden Vtdgsmin. zustimmen. Weltweiter Terror geht uns alle etwas an - auch, wenn wir bisher noch nicht direkt vom islamistischen Terror betroffen wurden.
Werden Truppen in Afghanistan abgezogen, eröffnen wir dort wieder alle Möglichkeiten für Terrroristen, sich eine ordentliche Basisinfrastruktur in diesem Land zuzulegen, während sie jetzt gezwungen sind, weniger effektiv im Untergrund zu agieren..

Sollen doch die Amerikaner die abziehenden Europäer und weitere Verbündeten ersetzen. In Afghanistan ist eh nichts zu machen die tatsächliche Macht üben da immer noch die Warlords aus, das haben sie schon für sehr lange Zeit, die Marionetten Regierung von Karsei regiert eh nur in "Kabulistan". Außerdem wird er vom großteil der Bevölkerung verabscheut. Noch dazu das die ISAF Soldaten in einer Falle sitzen und von der Luftunterstützung der Amerikaner abhängig sind. Warum also sollen die Europäer für amerikanische Interessen den Kopf hinhalten?

Sicher da gibt es noch den weltweiten Terror, von dem man ja bisher weniger gesehen hat als erwartet. Militärisch wird man da aber nicht viel machen können. Man wird zwar die Länder die den Kämpfern, die aus unserer Sicht Terroristen sind, militärisch besiegen können, aber den Frieden hat man damit noch lange nicht gewonnen. Ich schätze wenn es weitere muslimische Länder trifft wird es nur in Partisanenkriegen ähnlich dem in Irak ausarten. Die Lösung unserer Probleme wird unserer militärischer Arm sicherlich nicht sein. Vor allem weil es auch noch Terroristen in unserer eigenen Bevölkerung geben kann. Mit einer Armee kann man da auch net drüberrollen.



Und Deutschland will nun mal eine gewichtigee Rolle in der Weltpolitik spielen - da kann es sich hier nicht vornehm zurückhalten, sondern muß Farbe bekennen und für die Weltgemeinschaft mit Verantwortung übernehmen.

Richtig für die Weltgemeinschaft und für mich ist die Weltgemeinschaft nicht die USA. Die USA gehört dazu und haben ihre eigenen Interessen die sie ruhig vertreten können und Europa hat auch seine Interessen die es auch vertreten soll. Ich bin aber nicht bereit europäische oder zumindest deutsche Soldaten für amerikanische Interessen zu verheizen und das ist der Knackpunkt.

Colonel Chris
27-09-2005, 16:52
@the general

Deine Sichtweise ist, so muß ich es leider sagen, kurzsichtig. Ich bin es langsam auch leid, mit jungen Männern, die gerade die Pubertät überwunden haben, über globale Angelegenheiten zu diskutieren, obwohl ihnen aus ihrer persönlichen Lebensunerfahrung naturgemäß der weite Blick fehlt. Dies wird zum Teil durch zwar gutgemeinten, aber meist realitätsfremden Idealismus noch geschürt.

Wenn Du selber mal Arbeit, ein Haus, eine Frau und 3 Kinder hast, dann wirst Du über einige Sachen auch mal anders denken. ;)


Nimm's nicht persönlich. Vor 3 Monaten war es noch ein kleiner Bestandteil meines Berufes, jungen Leuten die Augen zu öffnen.

the general
27-09-2005, 17:09
@the general

Deine Sichtweise ist, so muß ich es leider sagen, kurzsichtig. Ich bin es langsam auch leid, mit jungen Männern, die gerade die Pubertät überwunden haben, über globale Angelegenheiten zu diskutieren, obwohl ihnen aus ihrer persönlichen Lebensunerfahrung naturgemäß der weite Blick fehlt. Dies wird zum Teil durch zwar gutgemeinten, aber meist realitätsfremden Idealismus noch geschürt.

Wenn Du selber mal Arbeit, ein Haus, eine Frau und 3 Kinder hast, dann wirst Du über einige Sachen auch mal anders denken. ;)


Nimm's nicht persönlich. Vor 3 Monaten war es noch ein kleiner Bestandteil meines Berufes, jungen Leuten die Augen zu öffnen.

Wäre trotzdem nett wenn mir trotzdem die Kurzsichtigkeit meiner Denkweise erklären würdest. Wenn es damit zusammenhängt das ich der Afghanistan Operation ablehnend gegenüberstehe, dann habe ich meine Meinung dazu ja schon kund getan.

Wenn du damit glaubst das ich Auslandseinsätzen generell ablehnend gegenüber stehe, dann täuschst du dich. Mit Auslandseinsätzen von Streitkräften hängen ja die Interessen eines Staates zusammen. Menschenrechte, Verbreitung der Demokratie und Einsätze um den Menschen zu helfen sind Humbug, das ist Blödsinn, niemand, kein Mensch ist zu sehr Mensch um so einen Einsatz zu befehlen. Ich wünschte es wäre so, aber Militäreinsätze dienen dazu um Interessen in einem Gebiet durchzusetzen.

Irak? - Öl und um sich eine starke Präsenz in der Region zu sichern
Afghanistan? - Kontrolle der Region und Sicherung von Rohstoffen

Mit Militäroperationen in der freien Welt werden nur wirtschaftliche und politische Ziele verfolgt, das ist alles. Wenn du mich fragst ob ich der Meinung bin ob ich sowas gut finde, dann sage ich nein, wenn du mich aber fragst ob so etwas notwendig ist, dann kann ich dir sagen das ich zu sehr Realist bin um nicht einzusehen das es solche Einsätze zur Machtsicherung und Interessendurchsetzung immer wieder geben wird.

Also braucht Deutschland eine Berufsarmee die für so Auslandseinsätze geschaffen wurde, um Ansprüche in der Welt durchzusetzen. Wenn die Ansprüche und Interessen mit denen der USA übereinstimmen sollte man kooperieren, wenn nicht dann nicht.

Verantwortung für die Weltgemeinschaft...gibt es die überhaupt diese Weltgemeinschaft? Wenn der Sicherheitsrat ne Operation beschließt glaubst du ein großteil der Weltbevölkerung ist für diese Operation? So ein Quatsch, die Operation wird durchgeführt weil die westliche Welt überzeugt werden konnte das die Operation gut für alle ist.

Nach folgenden Worten werden mir vielleicht viele Beleidigungen an den Kopf werfen oder mir vorwerfen wie dumm und verblendet ich bin, aber man solle mir das Gegenteil beweisen und mich von meiner Meinung abzubringen.

"Der Imperialismus von heute ist noch genau der selbe wie von damals nur heute hat er ein anderes Gesicht!"

Lord Protector
27-09-2005, 18:45
@the General und Colonel Chris

Meiner meinung nach seit ihr beide auf euren jeweiligen Holzwegen, jeder auf seine weise.

Da ich selbst auch nicht über sonderlich große Erfahrung in der Weltgeschichte verfüge, empfehle ich euch beiden die Bücher von Peter Scholl-Latour zur Lektüre. ;)

Colonel Chris
27-09-2005, 18:59
@LP

Auch wenn ich diesen Mann sehr schätze, so hat selbst er nicht die alleinige Weisheit intus. ;)

the general
27-09-2005, 19:06
Wie gut das ich die Bücher von ihm gelesen habe :D

Gelesen habe ich:

Koloss auf tönernen Füßen
Weltmacht im Treibsand
Afrikanische Totenklage

Diese Bücher haben wesentlich zur Bildung meiner Meinung beigetragen und natürlich das lesen von Sachbüchern mit militärischen Hintergrund. Ich halte Scholl - Latour für einen hervoragenden Journalisten und Publicisten der die Lage in den Ländern die er besuchte sehr gut rüberbringt.

Ich habe mir seine Bücher durchgelesen um mir unter anderem ein Bild über die Lage in den besuchten Regionen zu machen und das ist ihm sehr gut gelungen finde ich.

Wie gesagt stehe ich Auslandseinsätzen mehr oder weniger ablehnend gegenüber. Die Auslandseinsätze dienen nur zur Interessendurchsetzung eines Staates oder eines Büdnisses. Das meiste Gebrabbel von Menschenrechten und Verbreitung von Demokratie halte ich nur für einen Deckmantel um die wahren Ziele der Militäroperation zu verschleiern.

Ich begrüße den Einsatz von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder dem Roten Halbmond, oder den "Ärzte ohne Grenzen" usw. denn die tun auch das was sie sagen. Sie helfen den Menschen in der Region.

Ich stehe den militärischen Auslandseinsätzen zwar ablehnend gegenüber weiss aber das es sie immer wieder geben wird, von jedem Land das irgendwo in der Welt politische oder wirtschaftliche Interessen hat und die Möglichkeit dazu hat. Die Erfüllung des Wunsches nach einer Welt ohne Militär wird es nie geben...

Also was soll Deutschland tun? Berufsarmee oder Wehrpflichtsarmee die die Heimat verteidigt? Es wird auf eine komplette Berufsarmee hinauslaufen, früher oder später. Die Auslandseinsätze die momentan laufen sind nur ein Vorspiel, vielleicht erleben wir in einem oder 2 Jahrzehnten den Großeinsatz von mehreren Brigaden gleichzeitig....

Arminus
28-09-2005, 15:08
Zu dem Thema hätte ich auch was beizusteuern, aber macht doch bitte einen neuen Thread dazu auf... :)

Arminus
30-09-2005, 17:49
Dönikes am Rande:
Als ob diese Zeiten für unser parlamentarisches System nicht schon chaotisch genug wären (Der User berichtete darüber in anderen Threads...), kommt es jetzt noch brisanter. Durch die Wahl von Renate Künast zur Fraktionsvorsitzenden ist das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft wieder frei und muss von den Grünen für die Wochen, die bis zur Regierungsneubildung noch vergehen, neubesetzt werden. Da es keinen Sinn machen würde, jemanden jetzt noch zum Minister zu ernennen, wird Jürgen Trittin dieses Amt übernehmen und damit zum ersten grünen Superminister! :D:D