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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Wer nichts wird, wird Wirt?" Ein Gilde-2-Renaissance-AAR



Comes Hansae
06.08.13, 22:23
Werte Regentinnen und Regenten, in Anlehnung an das vortreffliche AAR von Sunabouzu haben auch Wir beschlossen, ein Spiel vorzustellen. Ebendieses Spiel ist rein zufällig der Nachfolger des im vorhergenannten AAR behandelten Spiels. Das Grundspiel sowie die Erweiterung von "Die Gilde 2" finden Wir nicht schlecht, aber mit Renaissance ist, so meinen Wir, eine Adaption erschienen, welche gute neue Spielkonzepte mit den Vorzügen des Vorgängers vereint. Die Spielschwierigkeit ist "mittel", es gibt 11 andere Dynastien, gegen die Wir vorzugehen versuchen.

An dieser Stelle sei also schon allen gedankt, die hier mitlesen und Anregungen einbringen - auch Beschwerden sind gerne gesehen, nur so lernen Wir, denken Wir. Nun aber los.


Der Anfang - 1400

„Wer nichts wird, wird Wirt“, sprach Unsere liebe Frau Mutter stets und so beginnen Wir unseren Weg im Danzig des Jahres 1400 als Angehöriger des Berufsstandes, welcher sich leidenschaftlich um die Versorgung der Menschen mit Speis und Trank – vor allem aber mit Trank – verdient macht. Obschon diese Technologie, mittels derer man Momente dauerhaft festhalten kann, im Jahre des Herren 1400 noch nicht vorhanden gewesen sein mag, möchten Wir Uns Euch in voller Pracht präsentieren:


http://www.ld-host.de/uploads/images/0a66c33a9093cd99fd0e6fc4696487ff.png (http://www.ld-host.de/)

So wachen Wir denn in Danzig auf und laufen, und nachdem Wir eine Schenke in Auftrag gegeben haben, in das Rathaus – ja, auch eine Siedlung, welche 90 Einwohner sein Eigen nennt, hat ein Rathaus. Für bloß 500 Goldstücke dürfen Wir den Titel des „Freisassen“ erwerben – Wir tun dies ja auch, um unser Selbstbewusstsein zu stützen.


http://www.ld-host.de/uploads/images/f7da4ca8d0c2c8cebdbd5d06248b8cdf.png (http://www.ld-host.de/)
Links im Bild Unsere noch zu entstehende Bewirtungseinrichtung, rechts daneben ein anderes Institut derselben Art. Eine Lösung steht noch aus.

Weil Wir auch so eine ängstliche Natur besitzen, ergreifen Wir die Initiative und rüsten Uns mit einem Verteidigungsinstrument aus – ein Kurzschwert soll es sein. Kurze Zeit später befinden Wir uns in Unserer Schänke – der Schänke „zum Räuberhauptmann“, in welcher Wir die Herstellung von Alkohol und Körnerbreien befehlen. Letzterer ist ja nahrhaft, ersterer umso mehr. Für die Herstellung des Alkohols gebrauchen Wir sämtliches Obst, welches am Markt zu finden ist, getreu dem Motto: „Wenn Ihr Hunger habt, wieso trinkt Ihr dann nicht Eure Nährstoffe?“

Übrigens sind Wir sehr betrübt, dass es in Unserem deutsch-katholischen Danzig keine katholische Kirche zu geben scheint, wohl aber eine dieses Ketzers, der erst in mehr als 100 Jahren seine Thesen veröffentlicht haben wird. Wenigstens scheint diese Stadt aufgewertet worden zu sein.

Zum ersten Abend fällt Uns nur eine Sache ein, die Wir erledigt wissen wollen – die Angelegenheit mit der zweiten Schänke in der Stadt. Über die Möglichkeiten der Beseitigung dieses Objekts nachdenkend legen Wir uns vorerst zur Ruhe, in der Hoffnung, als Wirt in diesem unwirtlichen Feld durchzuhalten. Wären Wir doch nur katholischer Pfarrer geworden...


http://www.ld-host.de/uploads/images/9ec1cdce7f5b14a4b973e439b5b6fe14.png (http://www.ld-host.de/)
Rechts im Bild seht Ihr - neben Unserer blaubeflaggten Heimstatt - eine brennende Arbeiterkate. Welch Unglück, man sollte die Trauer im Glas versenken.

Wirtschaftlich betrachtet sieht es düster aus, da Wir in diesem Jahr keinen einzigen Pfennig an Einnahmen erzielen konnten - das Wort "Gewinn" lassen Wir daher dezent außen vor.

Ruprecht I.
06.08.13, 22:35
auch Beschwerden sind gerne gesehen
Wir fühlen Uns spontan angesprochen :cool:


Wären Wir doch nur katholischer Pfarrer geworden...
Jupp, immer ein vielversprechender Weg zum Aufbau einer gewinnbringenden Dynastie. Fragt nur die Borgias.

Das Spiel müssen Wir auch mal wieder 'rauskramen, sobald Wir etwas mehr PS unter der PC-Haube haben.

Comes Hansae
06.08.13, 22:37
Der Weg der Pfarrerwerdung scheint Uns auch deshalb gewinnbringend, da es in Danzig nur eine lutherische Kirche zu geben scheint. Und im ersten Teil, so erinnern Wir uns, war das eine todsichere Methode, zu Ansehen und Vermögen zu kommen.

Ruprecht I.
06.08.13, 22:39
Tatsächlich 'lutherisch'? Nicht katharrisch oder sonst eine Ketzerei?
'ne Weile her, daß Wir Uns mit diesem Spiel beschäftigten...

Ist Renaissance eigentlich ein AddOn oder ein Mod?
Und könntet Ihr auf die Unterschiede zum Grundspiel eingehen?
ZB: wieviele Runden pro Jahr gibt es?

Comes Hansae
06.08.13, 22:54
Tatsächlich ist es eine evangelische Kirche - und dieser Begriff kommt ja, soweit Wir wissen, erst mit der Reformation auf. Im ersten Teil waren es, soweit Wir wissen, noch die Katharer. Renaissance ist eine Art "Standalone-Add-On", welches wir zu einem günstigen Zeitpunkt auf Gamersgate um ganze EUR 1,99 ergatterten.

Unterschiedlich sind beispielsweise die erweiterten Produktions- und Verbrauchsketten, für den Patron gibt es daher jetzt auch den Betrieb des Obstbauern, welcher das Obst herstellt, aus welchem der Wirt den Alkohol macht, den er in sein Dünnbier panscht. Ebenso bietet sich für diese Berufsgruppe die Windmühle an - Brotherstellung ist also komplexer. Ansonsten gibt es viele Berufe aus dem ersten Teil wieder, so auch den Geldleiher, der ebenso Vertragsscheine etc. herstellen kann. Und dann gibt es noch Maurer, Schausteller (oder wie im ersten Teil stilecht und absolut historisch korrekt Zigeuner genannt) sowie zwielichtige Wirte (dort kann man dann wieder wie in guten, alten Zeiten sein Geld beim Würfelspiel verlieren).

Auch Schlösser gibt es wieder in drei Stufen, leider ohne funktionsfähigen Kanonenturm, wie Uns scheint. Ämtermäßig hat sich nicht viel getan, es gibt nun aber weit mehr Titel (Freisasse etc.) und einige Titel können erst bei Erlangen eines gewissen Bekanntheitsgrades im Reich erworben werden. Um den Rang auf Stadtebene zu mehren, bietet sich die neue Gildenmeisterei an, wo man Aufträge für "questähnliche" Objekte erfüllen kann (Kölner Kirchenglocken oder so etwas in der Art), und für den Reichsrang bietet sich die Teilnahme an Kriegen an, sowohl selbst als auch per Söldnerkauf.

Wir wollen Euch nun nicht alles schon verraten, da Uns dieser "Aha-Effekt" stets gefallen hat, aber sollte das Spiel weiterhin weniger als EUR 5,- kosten, ist man damit besser bedient als bei einem Grabbeltisch-Spiel aus den Großmärkten, denken wir :)

Sunabouzu
06.08.13, 23:04
Schön das unser (am ende doch zu Kurzer) AAR noch zu etwas gut ist.

Wir besitzen Zwar auch Die Gilde 2 Renaissance haben es aber noch nicht wirklich gespielt, vielleicht könnt ihr diesen Umstand mit einem Interessanten AAR ändern.

Wir lesen mit

Comes Hansae
06.08.13, 23:07
Nun, im Laufe der Vorbereitung des zweiten Teiles des AARs fiel Uns auf, dass das Bestreiten des Lebensunterhalts als Wirt schwer sein wird. Um sich Unserem Ziel des Reichtums doch noch zu nähern, werden Wir andere Wege beschreiten, die Ihr hoffentlich als interessant empfinden werdet.

Bassewitz
07.08.13, 06:51
Umschulen? :D

Naja, die Menschen in Not und bei Problemen mit (Mess)Wein abfüllen während man sich ihre Problemchen anhört und halbgare Ratschläge verteilt... Ist ja eigentlich dasselbe. ;)

Sagt uns, brauchen wir dann nur Renaissance oder fehlt uns dann irgendwas?

Zero
07.08.13, 13:18
Steinmetz ist eigentlich immer eine Goldgrube oder Waffenschmid.
Wenn man dann noch ein eigenes Bergwerk hat und Gold und Silber nicht mehr teuer einkaufen muss, dann ist man schnell reich.

Semjon Budjonny
07.08.13, 13:42
Wir lesen mit.
Die Gilde ist immer wieder ein Genuss. Und Renaissance haben Wir selbst noch gar nicht in unserem Fundus.
Gutes Spiel und
"Hopfen und Malz, Gott erhalts"

Bassewitz
07.08.13, 16:58
Wir hatten das Spiel einmal geliehen und vom Startkapital eine Goldmine gekauft. Der Rest ist Legende. :D

Würden uns das Spiel ja zulegen, aber welche Teile braucht man da?

Alith Anar
07.08.13, 18:33
Für Teil 2:
Die Guilde 2 ;)
Piraten der Hanse (?) / Pirates of the European Seas

Die beiden anderen Teile:
Die Guilde 2 - Venedig
Die Guilde 2 - Renaissance
sins jeweils Stand Alone Spiele fuinktionieren also ohne Guilde 2

Zero
07.08.13, 19:00
Es reicht also wenn man Renaissance kauft.

Comes Hansae
07.08.13, 19:52
Der marodierende Wirt

http://www.ld-host.de/uploads/images/2680455625b4f6b41f53b3583aaf5376.png (http://www.ld-host.de/)

Wie aus dem Bild ersichtlich, beginnt Unser Tag bereits zwei Stunden, nachdem der Nachtwächter die Menschen zum Löschen des offenen Lichts angehalten hat – fünf Fässer sogenannten Ratsherrenbräu sollen es sein. Nun sind Wir weder Ratsherren, noch Braumeister, aber Wir wagen Uns an diese Aufgabe heran und erwerben die Produktionslizenz für das Gebräu.

Letztlich waren Wir zu langsam und schafften es nicht, die Fußstrecke von Danzig nach Hamburg innerhalb weniger Stunden zurückzulegen. Das Bier – und die kostbare Produktionslizenz – waren damit umsonst gewesen. Während Wir fässerweise zu Unserem wirtschaftlichen Niedergang beizutragen schienen, drohte die Konkurrenz seitens Unserer Nachbarin untragbar zu werden. Wir beschlossen daher, Uns der Lösung des Problems anzunehmen.

Zu Unserem Missfallen verließ die Person, an der Wir unsere Erststoßdoktrin erproben wollten, beinahe nie ihre Schänke. Wir konnten dies ebenso wenig, denn jeglicher Schritt auf dem Weg zur Beseitigung dieses Hindernisses verzögerte die Beseitigung des anderen – namentlich sei die wirtschaftliche Problematik genannt, in der Wir uns zu befinden drohen.


http://www.ld-host.de/uploads/images/825ad1d0b09516caaa1f857681ded0db.png (http://www.ld-host.de/)
Aus dem Bild geht hervor, dass unsere Gewinne existent, jedoch äußerst marginal sind. Und bisher unversteuert, was angesichts des hohen Kirchenzehnts nochmal zu Problemen führen kann.

Gerade als Wir uns dem wirtschaftlichen Ende nähern, kommt Uns eine Dünnbierknappheit gerade recht. Anstatt das Gesöff dem einfachen Volk feilzubieten, verkaufen Wir es gewinnbringend auf dem Markt, die Tatsache, dass Wir ein polternder, plumper Wirt zu sein scheinen, hilft hierbei natürlich. Nach dem erfolgreichen Bierverkauf, welcher Uns einen Mehrgewinn von unfassbaren 224 Goldstücken gegenüber dem Ladenverkauf einbrachte, melden Wir uns sogleich, um am Feldzug des Kaisers gegen Norwegen teilzunehmen. Selbstverständlich nur, damit Uns dieser Akt zu Ehre gereichen mag, sicherlich nicht, weil Geld winkt.

Als Wir Uns aber auf dem Heimweg von Unserer Schänke befinden und noch die letzte Nacht in der Heimat in Unserem geruhsamen Bett verbringen wollen, treffen Wir die Schankrivalin, als sie versucht, ihr überteuertes und übelschmeckendes Bierimitat an den Mann zu bringen. In diesem Moment treten die bösen Geister wieder auf, die diese Person gerufen hatte, als sie begann, uns aus dem Geschäft drängen zu wollen. Uns überkommt plötzlich ein Bedürfnis, all Unsere Probleme scheinbar mit einem Akt lösen zu können – und so schreiten Wir also hin und stellen Uns, nur mit der ausgleichendem Gerechtigkeit – und einem scharf geschliffenem Kurzschwert – der Person, die Unseren Thanatostrieb so zum Ausbruch brachte.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis der Marktschrei verstummte, und so legten Wir uns zur Ruhe und warteten auf das, was der Tag bringen würde. Gar einen Sieg im hohen Norden? Morgen ist auch ein Tag, und dieser Tag wird Uns Gewissheit bringen.


http://www.ld-host.de/uploads/images/d6855dfaffde7c4b0ec412b41d9a7484.png (http://www.ld-host.de/)
Der Metzger - oder Meister - bei der Arbeit.

Sunabouzu
07.08.13, 20:06
Wie darf man das Verstehen, ihr könnt die Konkurrenz direkt auf dem Markt töten und es gibt keine Konsequenzen?

Ruprecht I.
07.08.13, 20:10
Warum nicht?
Machen US-Unternehmen tagtäglich und werden noch mit steigenden Börsenkursen dafür belohnt :teufel:

Comes Hansae
07.08.13, 20:12
Nun, Wir waren geduldig. Warteten, bis kein Wachmann mehr zu sehen war. Außerdem verkaufte die Konkurrenz ihr Bier vor der Arbeiterkate, die im ersten Teil des AAR in Brand stand, das war also nicht direkt der Markt. Und nun, bisher wurde keine Anklage erhoben. Vorsicht ist ja geboten, aber Wir passen ja auf :D

Philos
07.08.13, 20:17
Also ich finde das entsetzlich. Du simulierst hier Mord als etwas, was selbstverständlich ist und das muss man verurteilen ! Da muss doch jeder Mensch mit etwas Anstand .. nein großes Lob. Sehr unterhaltsam und die Gilde war immer schon ein gutes Spiel :)

Bassewitz
08.08.13, 12:51
Für Teil 2:
Die Guilde 2 ;)
Piraten der Hanse (?) / Pirates of the European Seas

Die beiden anderen Teile:
Die Guilde 2 - Venedig
Die Guilde 2 - Renaissance
sins jeweils Stand Alone Spiele fuinktionieren also ohne Guilde 2

Uns ging es mehr um die Features. Hat man bei Hauptspiel + Hanse + Venedig + Renaissance (sofern diese kombinierbar sind) mehr als nur mit Renaissance?

Bei so manchem Standalone sind die Hauptspielinhalte aus offensichtlichen Gründen nicht mit inbegriffen.

Comes Hansae
08.08.13, 12:58
Werter Bassewitz,
soweit Wir wissen, sind das Hauptspiel und "Seeräuber der Hanse" kombinierbar, bei Venedig, vor dessen Kauf Wir uns aufgrund guten Zuspruchs Unserer Kollegen gehütet haben - vielleicht zu Unrecht? - und bei Renaissance handelt es sich um Standalone-Add-Ons. Nun haben Wir aber auf Unserem Rechner momentan nur Renaissance installiert und genießen dennoch die Vorzüge der Hanse-Erweiterung (d. h. Karten, Schiffe, Kontore). Hier sind also die Hauptspielinhalte auch enthalten.

Æxit
08.08.13, 13:10
Wir lesen auch gespannt mit. Die Gilde haben wir zwar nie gespielt, waren aber immer ein Patrizier Fan.

Comes Hansae
08.08.13, 13:22
Wir lesen auch gespannt mit. Die Gilde haben wir zwar nie gespielt, waren aber immer ein Patrizier Fan.

Den Patrizier spielen Wir hier ebenso sehr gerne, unglücklicherweise gefiel Uns der neue Teil bis zum Erscheinen der Erweiterung nicht so sehr. Nun aber freuen Wir Uns gelegentlich über den "Langzeitspaß", der an den zweiten Teil immer noch nicht heranzukommen scheint. Ansonsten sind Wir ja am Überlegen, Colonization (aber nicht die Neuauflage) einmal wieder auszupacken.

Comes Hansae
08.08.13, 20:11
Schaudernd siegen - und am Boote liegen

Der Tag beginnt – und wie geplant ziehen Wir von dannen, um für Ruhm und Ehre zu streiten – und natürlich für Kriegsbeute, vorausgesetzt, Uns sei Erfolg beschieden. Da Wir niemanden haben, von dem Wir Uns verabschieden könnten, begehen Wir unseren Abschiedstrunk in den frühesten Morgenstunden alleine.

Am „Paradeplatz der Landsknechte“ geht der Feldzug los, und mit Uns haben sich viele Menschen gemeldet, um für das Reich zu streiten. Als Wir aber die Stadttore Danzigs hinter Uns lassen, überkommen Uns wieder diese Sorgen – was wird aus der Stadt, während Wir nicht zugegen sind? Wird Schankmagd Maria Unsere Schänke erfolgreich weiterführen oder wird Uns bei der Rückkehr gar der Ruin erwarten? Und was wartet vor Uns? Die Angst, sie ist gewiss das schlimmste Übel, und sie nährt sich mit der keimenden Ungewissheit, der Wir uns zunehmend ausgesetzt sehen.

Anmerkung: Da der Feldzug nur ganze 12 Stunden (im Spiel) dauerte, werden Wir in dieser Hinsicht etwas kreativer spielen. Diese Zustände lassen sich durchaus mit der Aufgabenstellung, mit fünf Fässern Bier von Danzig nach Hamburg zu laufen, vergleichen, denn ebendieses Bier will nur vom Meister persönlich hergestellt werden, und die Herstellung allein dauert länger als der Zeitrahmen für Herstellung und Ablieferung.

Auf dem Weg nach Norwegen laufen Wir viele Häfen an, denn das Schiff, welches Unsere Wenigkeit in den Norden bringen soll, ist nicht viel mehr als eine Hansekogge, auf der Wir uns den geringen Raum mit Getreidesäcken teilen. Als Wir, die Ostsee bereits verlassen habend, in ein Gewitter geraten, bleibt nur wenig übrig von Unseren Kameraden und dem Beförderungsmittel. Den Hafen von Stavanger mit Müh’ und Not anlaufend, erwarten uns bereits fremde Heere. Neben Uns treten aus dem unangenehmen Nebel plötzlich Schiffe hervor, die Wir nach einigen Sekunden des Schreckens als verbündete Streitkräfte wahrnehmen. Vom Hafen, so heißt es, sollen Wir in die Stadt vordringen, um das Rathaus für Uns und die gute Sache zu beanspruchen. Eigentlich tun Wir so, wie Uns geheißen - doch es sollte schließlich anders kommen.

Die Bürgerschaft der Stadt hatte bereits seit Wochen Blockaden zu erleiden, und das Bild, welches sich Uns zeigte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Selbstverständlich bot sich gelegentlich auch in Danzig ein Bild der Zerstörung, wenn der Schwarze Tod wieder einmal unschuldige Seelen dahinraffte und niemand es als seine Aufgabe empfand, die leblosen Körper der Verschiedenen wenigstens aus den Seitengassen, die vom Marktplatz wegführten, hinfortzuschaffen, um ihnen doch noch eine Grabstatt zu bieten. In Stavanger aber, wo Wir an Land gingen, bot sich Uns ein gänzlich anderes Bild - auch hier lagen Menschen leblos an den Rändern der Wege, doch während in Danzig eine Seuche wütete, waren es hier übermütige Landsknechte, die für dieses Bild sorgten.

Ungeachtet der verlorenen Seelen, deren kalte Augen Uns zu beobachten schienen, schritten Wir zusammen, festen Schrittes, mit der restlichen kampfbereiten Besatzung der "Waldemar" durch die Gassen, als Uns plötzlich schwarz vor den Augen wurde. Derselbe Moment brachte große Schmerzen mit sich, als Wir, immer noch nichts sehend, spürten, wie Unser rechter Fuß von einem schweren Objekt getroffen wurde. Während Wir nur wenige Stunden zuvor noch an Ruhm, Ehre und Gold dachten, so dachten - und hofften - Wir nur noch, überleben zu können. Was in der Zeit nach dem Schmerz geschah, wissen Wir bis heute nicht genau. Wohl aber können Wir sagen, dass Wir erst am Schiff das Bewusstsein zurückerlangen konnten.

Es hieß, Wir seien von einem Schlägel getroffen worden, als Wir vor Schmerzen nichts mehr sehen konnten, und - nun, das Bein sieht auch so aus, als hätte es Kampferfahrung gemacht. Zu Unserem Glück darf behauptet werden, dass die restlichen Truppen, als Teil derer Wir ja eigentlich hätten mitkämpfen sollen, einen Sieg davongetragen haben sollen. Für Uns heißt dies in erster Linie: Gold.


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Obschon der Sieg hart erkämpft war und Wir auch nach Unserer Rückkehr nach Danzig schwer mit dem Fuß zu kämpfen haben, gereicht es Uns zu Ehren, dass auch Wir vom Rat der Hanse einen Teil der Kriegsbeute erhalten.

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Bassewitz
08.08.13, 21:02
Norwegen muss ja bis auf die Unterbuchse ausgezogen worden sein, wenn selbst der letzte Lump tausendsiebenhundert Taler erhält.

Ruprecht I.
08.08.13, 21:29
Wieso 'letzter Lump'?
Er ist doch schon mit Erfahrung im Mordhandwerk ins Gefecht gezogen und hat damit Anspruch auf Veteranenentlohnung :fiesemoep:

Comes Hansae
08.08.13, 21:35
Heute würde man Uns als "systemrelevant" bezeichnen. Nein, dieser Betrag erscheint ja zuerst als eine beträchtliche Menge, entpuppt sich später jedoch als Gegenwert von 30 Gläsern Dünnbier. Das könnten hier also auch knapp 100 Euro sein, von denen Wir sprechen.