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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein erstes EU V Spiel pro und Kontra



Mantikor
30.11.25, 13:56
Ich habe mein erstes EU V Spiel durchgespielt. Auf Iron Man und Schwierigkeitsstufe Normal mit Württemberg, später dann Schwaben und möchte darüber berichten was mir aufgefallen ist.

Eines mal vorne weg. Das Spiel ist spielbar und es kann durchaus auch Spaß machen, aber man merkt dem Spiel an dass es noch nicht fertig ist und dass an dem einen oder anderen Punkt noch nachgebessert werden muss. Wer ein Spiel für Zwischendurch möchte ist hier falsch. Schnell geht hier gar nichts. Ich habe über 100 Stunden Spielzeit bis zum Erreichen des Spielendes benötigt und wenn ich stärker expandiert hätte und mich um jedes Detail gekümmert hätte, hätte es auch noch viel viel mehr sein können.

Da das Spiel unheimlich komplex ist, muss man es natürlich als positiv werten das man vieles automatisieren kann und sich anschließend nicht mehr selbst um alles kümmern muss. Ich habe bsp. den Handel automatisiert weil mir das zu viel Aufwand war und es geht glücklicherweise auch ohne weil man auch ohne immer den maximalen Profit zu machen, trotzdem wachsen und seine Wirtschaft aufbauen kann. Ärgerlich fand ich jedoch dass die KI auch ohne meine Erlaubnis von meinem Geld einfach Viehhöfe erweitert, Ostplantagen erweitert und ähnliche Erweiterungen vorgenommen hat. In der zweiten Hälfte war mir das egal, weil ich genügend Geld hatte und nicht mehr für größere Gebäude ansparen musste, aber zu Beginn machte es mir den Kauf von Straßen und Gebäude unmöglich weil mir ständig Geld abgezogen wurde. Glücklicherweise bemerkte ich dann jedoch das man den Bau auch abbrechen kann und einem das Geld erstattet wird. Von dieser Möglichkeit habe ich dann häufig Gebrauch gemacht. Nervig war es trotzdem weil ich mein Spiel fast jeden Monat unterbrechen musste um irgendeinen Bau abzubrechen.

Das kommunistische Wirtschaftssystem bei dem man alle Gebäude selbst bauen muss und kontrolliert hat mich zunächst abgeschreckt. Dann stellte ich jedoch fest dass es auch seinen Reiz hat, wenn man sieht wie die Einnahmen immer mehr steigen. Ich habe mich daher mit dem Wirtschaftssystem angefreundet und mich auch mit den POPs arrangiert obwohl ich mich nie mit Vicky anfreunden konnte und das System eindeutig Ähnlichkeiten mit Vikoria hat.

Mit dem geänderten Militär bin ich gut klar kommen, ich finde es sogar realistischer als beim Vorgänger. Beim Vorgänger gab es immer Superstack Armeen die über das Schlachtfeld gezogen sind und alle anderen Armeen ausgelöscht haben. Der Krieg war dann oft sehr schnell entschieden. Das Auslöschen einzelner feindlichen Armeen ist hier zwar immer noch möglich, kommt aber nicht mehr so häufig vor weil die KI nun ihre Armeen stärker verteilt und der Krieg ist nun oft nicht mehr so schnell entschieden. Schnell Vorstöße ins Feindesland die schon zu Beginn des 15 Jahrhunderts zur Besetzung von ganzen Ländern wie Frankreich führen sind hier deutlich schwerer zu erreichen was auch realistischer ist da man zur damaligen Zeit meist in Grenznäher kämpfte. Im später Verlauf kann man dann mit entsprechenden Kanonen deutlich schneller vorrücken, so wie es in echt auch der Fall war. Das man nun extra einen Befehl erteilen muss um Garnisonen aufzufüllen finde ich jedoch nicht gut. Zudem finde ich es nicht gut dass man beim modernisieren von Einheiten häufig nicht nur die Ausrüstung ändern muss sondern auch die Truppenstärke ändert. Wenn eine Armee plötzlich doppelt so viele Soldaten benötigt kann man schnell in Manpower und Finanzierungsprobleme kommen. Das finde ich nicht gut. Es währe besser wenn die Regimenter die gleiche Stärke behalten und man selbst entscheiden kann ob man seine Armee verdoppeln will. Ich kann natürlich auch nur einzelne Regimenter modernisieren oder bestehende Regimenter auflösen, aber das ist trotzdem keine gute Lösung. Ich möchte weder mit veralteten Einheiten in den Krieg ziehen, noch erfahrene Einheiten auflösen. Daher gefällt mir diese Neuerung nicht.

Das Herzstück von EU war immer die Diplomatie. Hier war EU immer allen anderen mir bekannten Spielen deutlich überlegen weil es die Diplomatie deutliche besser abbildete als andere Spiele in denen man häufig nur zwischen Frieden und Krieg die Wahl hatte. Leider muss ich jedoch sagen dass EU IV in dieser Hinsicht immer noch ganz klar das bessere Spiel ist. Sie haben bei der Diplomatie leider sehr viel verschlechtert was eindeutig auf Kosten des Spielspaß geht. Bei EU IV hatte man nur eine begrenzte Anzahl von Beziehungen zu Verfügung die man zu anderen Staaten unterhalten konnte und wurde hierdurch bei der maximalen Anzahl seiner Bündnispartner und Vasallen eingeschränkt. Ob diese Staaten bereits Imperien mit einem Kolonialreich waren oder Stadtstaaten spielte keine Rolle. Alle Beziehungen waren gleich viel Wert, weswegen es natürlich mehr Sinn machte mit großen Ländern Beziehungen zu erhalten wie mit kleinen. Das ist jetzt anders. Das Spiel berechnet nun anhand der Größe und Bevölkerung aus wie wichtig ein Land ist und man muss für eine Beziehung mit einem großen Land mehr investieren wie in eine Beziehung mit einem Stadtstaat. Das ist mal grundsätzlich logisch und gut. Leider führt es jedoch im Fall von Böhmen dazu dass Böhmen sich unbegrenzt Vasallen und Verbündete halten und daher viel leichter im Reich expandieren kann, wie es dass in den früheren Teilen gekonnt hätte. Die Big Player sind hierbei klar im Vorteil und leider ist Böhmen bei Spielstart der größte Player im Reich.

Dazu kommen dann noch zahlreiche völlig unnötige und belanglose Diplomatie Möglichkeiten. Es gibt z.b. neben der Möglichkeit ein Bündnis einzugehen noch die Möglichkeit verschiedene Formen von Verteidigungsbündnissen einzugehen bei denen man sich im Verteidigungsfall gegenseitig unterstützt. Diese Möglichkeiten kann man meiner Meinung nach ersatzlos streichen weil sie das Spiel nicht verbessern sondern lediglich verschlechtern. Ich war anfangs in einem dieser Verteidigungsbündnisse und fühlte mich schon nach kurzer Zeit genervt weil ich ständig über die Regeln in dem Bündnis abstimmen musste. Ich bin dann in richtiges Bündnis gegangen und habe die Verteidigungsbündnisse überhaupt nicht mehr genutzt. Dazu kommen dann noch zahlreiche weitere Diplomatische Möglichkeiten wie bsp. die Kulturmeinung erhöhen die kein Mensch braucht. Richtig nervig finde ich zudem dass man in Kriegen bei seinen Verbündeten um Proviantzugang fragen muss und dass diese das dann manchmal sogar ablehnen. Da wird man von Polen in einen Krieg gerufen und dann wollen die einem nicht mal die eigenen Truppen versorgen, wo gibt es denn sowas? Soll ich vielleicht auch noch Maut zahlen wenn ich durch Polen marschiere um den Polen zu Hilfe zu kommen? Also Sorry, da würden die meisten wohl sagen ihr könnt euch selbst verteidigen wenn ihr unsere Truppen nicht versorgen wollt, und genau so habe ich das im Spiel auch gehandhabt.

Eines der größten Probleme im Spiel sind die fehlenden Kriegsgründe. Es gibt zwar eine unzählige Anzahl von Kriegsgründen. Aber ich konnte bis zum Spielende nur den Kriegsgrund, Kriegsgrund über das Parlament fingieren auswählen, alles andere war nicht machbar. Das ist ein riesiger Mist. Früher konnte man man mehrere benachbarte Provinzen gleichzeitig beanspruchen oder hat durch Missionen Ansprüche auf bestimmte Gebiete erhalten wodurch klar war was man erobern möchte und was der Gegner selbst haben möchte. Hier ist es jedoch nicht möglich über den Parlamentsanspruch hinaus Ansprüche geltend zu machen und dieser verfällt zudem innerhalb von 4 oder 5 Jahren was ein sofortiges Handeln erforderlich macht. Das ist natürlich nicht gut weil ich nicht gleichzeitig gegen mehrere Länder einen Kriegsgrund haben kann und schränkt meine Möglichkeiten stark ein. Dazu kommt dann noch dass ich viel mehr Antagonismus (Bad Boy Wert) wie in alten Teilen wenn ich expandiere weil ich nicht vorbereitend gegnerischen Provinzen schon mal zu meinem Kerngebiet erklären kann.

Beim Erklären vom Kriegen prüft die KI weiterhin wie in den alten Teilen ob sie daran teilnehmen möchte oder nicht. Meistens möchte sie es nicht, weil bsp. die Entfernung der Grenzen zu weit ist oder sie eine zu gute Meinung vom Ziel hatte. Wie in den früheren Teilen auch schon kann man sie jedoch durch Gefallen trotzdem in den Krieg hineinziehen. Das Problem an den Gefallen ist jedoch dass die Ki das auch kann und in einem ständig ohne Sinn und Verstand in Kriege hinein zieht. Jedes Mal wenn ein Krieg ausbricht, zieht in einen die KI in den Krieg hinein und man hat keine Möglichkeit das ganze abzulehnen und bps. das Bündnis zu verlassen. Das währe nicht ganz so schlimm, wenn die Ki darüber nachdenken würde ob es überhaupt Sinn macht den Spieler hinein zu ziehen das tut sie jedoch nicht. Wenn irgendwo eine Revolte ausbricht, bricht nicht etwa nur eine Revolte aus sondern wird im Spiel gleich ein Krieg getriggert. In diesem Krieg kämpfen dann bsp. 200 Personen gegen 20 Mio. . Es ist vorn vorneherein klar, wer den Krieg gewinnen wird, weil der Krieg eigentlich gar kein echter krieg sondern nur ein unbedeutender Aufstand ist, aber man wird trotzdem in den angeblichen Krieg hineingezogen. Sowas nervt und ist ärgerlich. Ich habe zwar versucht diese angeblichen Krieg zu ignorieren in dem ich das Geld fürs Militär und die Festungen sofort wieder runtergefahren habe, aber ich bin trotzdem spieltechnisch im Krieg mit dem Ergebnis das ich meinerseits keine Krieg erklären kann. Zudem habe ich mehrmals das Event, Krieger schreiben keine Bücher erhalten das einem einen Kulturmalus gibt wenn man zu lange Krieg führt. Das ist natürlich ärgerlich und ungerecht weil es sich ja gar nicht um einen echten Krieg sondern nur um eine bewaffnete Demonstration handelt.

Das hat Paradox ganz schlecht gelöst. Rebellen sollten wieder wie früher sein. Es macht keinen Sinn sie zu eigenen Staaten zu machen und jedes Mal wenn ein kleiner Haufen aufploppt einen Krieg auszurufen. In der zweiten Hälfte des Spieles war ich wegen den Rebellen fast ununterbrochen im Krieg, und es waren nicht mal meine eigenen sondern nur die der Verbündeten. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht warum mich die KI überhaupt zu Hilfe ruft wenn ich nicht mal einen Hafen habe und der Aufstand in einem anderen Kontinent ist. Da kann ich unmöglich helfen und das würde auch keiner erwarten. Das ist total realitätsfremd.

Die fehlenden Missionen und Events habe ich ständig vermisst. In der damaligen Zeit sind Imperien entstanden, ausgelöscht wurden und zerfallen und große Gebiete haben den Besitzer gewechselt. Es gab ständig wechselnde Bündnisse und Interessen. EU IV hat das gut wieder gespiegelt, aber hier kann von all dem keine Rede sein. Ich bin im 14 Jahrhundert gestartet und habe das Spiel 500 Jahre später gefühlt immer noch im 14 Jahrhundert beendet weil sich kaum etwas geändert hat. Wegen der kaputten Diplomatie, den fehlenden Events und den Spielmechaniken hat sich innerhalb von 500 Jahren fast gar nichts getan. Frankreich hat Navarra und Teile von Belgien geschluckt und ist dann stehen geblieben. Südfrankreich hat noch bei Spielende zum Reich gehört. Es gab kein Burgundisches Erbe, keine österreichische oder spanische Niederlande, keine Vereinigung von Österreich und Ungarn und Böhmen. Keine Österreichischen, spanischen oder französischen Interventionen in Italien, Das Osmanische Reich blieb immer unbedeutend und kam nicht mal in die Nähe von Wien. Es gab natürlich auch kein Russland. Kurz gesagt die Karte sah beim Ende weitgehend aus wie zu Beginn des Spiels nur mit dem Unterschied das Böhmen sich wie ein Krebsgeschwür über seine unzähligen Vasallen über das Reich ausgebreitet hatte und das ich Schwaben zu einer Regionalmacht in Süddeutschland gemacht hatte. Aber ich habe weder die Gründung Spaniens noch irgendetwas anderes gesehen dass es nach dem 14. Jahrhundert eigentlich hätte geben sollen.

Amerika wurde zwar durch die Europäer besiedelt, aber auch das wirkte ziemlich wirr und ahistorisch und die großen Kolonialnationen waren bei weitem nicht so mächtig wie in echt. Bei Spielende hatte Frankreich 23 Mio und Großbritannien nur 8 Mio Einwohner. Böhmen hatte mit 8 Mio etwas mehr wie ich mit 7 Mio, aber Böhmen hatte darüber hinaus noch 20 Vasallen im Reich und damit den größten Teil des Reichs unter Kontrolle während ich nur drei Vasallen hatte. Polen und Ungarn existierten in ihrer anfänglichen Stärke weiter, entwickelten sich aber nicht weiter weil es keine Union zwischen Polen-Litauen gab und die Osmanen und Russen niemals gefährlich wurden.

Genervt haben mich auch die bescheuerten KI Kriege meines Ungarischen Verbündeten. Nachdem die Osmanen es irgendwann mal geschafft haben in Europa anzukommen, haben die Ungarn ihnen den Krieg erklärt. Unsere Landstreitkräfte waren den Osmanen klar überlegen, aber weil die Ungarn als Kriegsgrund Überlegenheit zeigen wählten, und die osmanische Hauptstadt auf der anderen Seite des Bosperus war, konnten wir diese nicht einnehmen. Das Ergebnis war dass Ungarn den Krieg verloren hat weil irgendwann der Ticker abgelaufen ist. Anstatt hieraus zu lernen und beim nächsten Mal einen Provinzanspruchskrieg zu führen, folgte nach jedem Waffenstillstand einneuer Krieg gegen die Osmanen, den wir jedes Mal wegen dem Ticker verloren haben und ich konnte nichts dagegen machen denn ich hatte ja keine Flotte.

Am schlimmsten fand ich jedoch wie der Dreißigjährige Krieg und die beiden Ligen umgesetzt wurden. Es gab wie schon im Vorgänger eine Protestantische Liga und eine Katholische Liga. Dieses Mal jedoch nicht als Bündnis sondern nur als Verteidigungsbündnis was einen Angriff der beiden auf den anderen schon mal unwahrscheinlich macht, weil man nicht von allen anderen unterstützt wird und deswegen viel geringere Chancen hat zu gewinnen. Noch schlimmer war jedoch die Tatsache das auch bei einem Angriff die Sache nicht ausgekämpft und anschließend ein Siegfrieden oder der Westfälische Frieden getriggert wurde, sondern der Westfälische Friede nur getriggert wurde wenn die Kriegsunzufriedenheit 80 Prozent erreicht hatte. Dies war aber in dem einzigen Krieg den die beiden gegeneinander führten nicht der Fall. Aus diesem Grund blieben die Ligen über 200 Jahre lang bestehen und blockierten damit fast jede Möglichkeit im Reich irgendetwas anzugreifen weil man ansonsten sofort mit der ganzen Liga den angegriffenen Staates im Krieg gewesen wäre. Dieses völlig unrealistische Bündnis das in echt nie so lange gehalten hätte wurde dann auch noch dadurch ad absurdum geführt dass die beiden Ligaanführer Österreich und Böhmen gegenseitig Best Friends waren. Die haben sich gegenseitig Gefallen geschuldet und mich abwechselnd aus den Ligen rausgeschmissen wenn ich einer beigetreten bin, wobei ich trotzdem den 30 jährigen Krieg nicht triggern konnte, weil es ja nur ein Verteidigungsbündnis war und ich nicht der Ligaanführer war. Das ganze war extrem ärgerlich und hat mich jede Menge Spielspaß gekostet.

Ich habe dann mit dem wenigen das ich hatte versucht mich zu erweitern, wurde aber auch hier sofort von den Spielmechaniken ausgebremst. Der Antaganismus Wert steigt sehr schnell und benachteiligt wie immer Länder die im Reich sind da man sich dort nicht so schnell ausbreiten kann. Ich dachte dass ich im Zeitalter der Revolutionen mit Nationalismus und Imperalismus mich leichte erweitern kann, aber auch das war ein Irrtum. Um den Imperialismus Grund auswählen zu können muss man mindestens ein Königreich sein, man kann aber als Mitglied des Reiches nur Herzog werden, weswegen man diesen Grund nicht auswählen kann. Nationalismus kann überhaupt niemand auswählen weil man als Schwabe nur Schwäbischen Staaten und als Franzose nur Französischen Staaten den Krieg erklären kann. Es gibt aber keine zwei Dänischen, Französische, Schwäbischen, Sächsischen, Polnische oder was auch immer Staaten sondern immer nur einen Staat. Daher kann niemand diesen Kriegsgrund auswählen. Wenn ich Paris erober kann mir Frankreich nicht wegen Nationalismus den Krieg erklären weil ich mit Schwaben spiele und wenn Stuttgart von Frankreich erobert wird kann ich umgekehrt auch nicht Frankreich wegen Nationalismus den Krieg erklären weil ich kein Franzose bin. Das macht so natürlich überhaupt keinen Sinn. Das spiel müsste den Franzosen einen Nationalismus Grund geben wenn ich Lothringen besetze und mir einen Nationalismus Grund geben wenn die Franzosen das Elsaß besetzen damit das ganze Sinn ergibt. Aber so wie es jetzt ist, ergibt es einfach gar keinen Sinn.

Für mich hatte das Fehlen dieser Auswahlmöglichkeit natürlich gravierende Folgen. Ich konnte nur ein Viertel der Provinzen erobern, die ich ansonsten von Böhmen hätte erobern können, da ich mit dem Parlamentsanspruch Kriegsgrund viel weniger fordern konnte als mit dem Nationalismus Grund.

Die Kulturen haben mich auch gestört. Nicht weil ich keine Dialekte mag. Meinetwegen kann jedes Dorf seinen eigene Kultur haben, sondern weil ich nur eine begrenzte Anzahl von Kulturen tolerieren kann und gegenüber Ländern wie Böhmen benachteiligt bin in dem es scheinbar keine Dialekte gibt. Wieso gibt es in Böhmen nicht in jedem zweiten Dorf eine andere Kultur aber bei mir dafür umso mehr. Das ist nicht fair und auch nicht realistisch dargestellt weil die Unterschiede zwischen den angeblichen Kulturen belanglos sind und im Spiel viel zu übertrieben dargestellt werden. Der einzige Profiteur von den Hundert Deutschen Dialekten ist mal wieder Böhmen, weil eine deutsche Vereinigung dadurch erschwert wird, während es sich selbst ungehindert ausbreiten kann.

Am Schluss bekam ich die Möglichkeit Deutsch als Primärkultur einzuführen und dachte mir ich probiere das mal aus. Das Ergebnis war dass meine ganzen Schwaben, Bayern, Alamannen und sonstige Kulturen zu Deutschen wurden. Die Tschechen jedoch nicht. Und ich konnte weiterhin keinen Nationalismus Grund gegen Sachsen auswählen, weil diese ja laut Spiel keine Deutsche sind. Da frage ich mich auch mal wieder was das soll. Klar, ich kann dadurch mehr andere Kulturen tolerieren, weil es anschließend weniger Kulturen in meinem Reich gibt, aber ansonsten sehe ich den Sinn darin nicht. Warum können die nicht einfach bleiben was sie sind und mich trotzdem als Anführer akzeptieren. Bei den früheren Teilen ging das doch auch. Und Böhmen hat dass Problem wie bereits gesagt nicht weil da eh fast alle von Anfang Tschechen sind.

Die Pest zu Beginn des Spiels ist zu heftig und die weiteren Epidemien im weiteren Verlauf sind zu schwach und die Kleine Eiszeit dauert viel zu lange und macht sicherlich wenig Spaß wenn man sich nicht wie ich bereits frühzeitig darauf vorbereitet.

Das Spiel ist seiner jetzigen Version definitiv spielbar, aber wegen der statischen Karte auf der sich nichts tut und der nicht funktionierenden Diplomatie wenig Abwechslungsreich und noch stark Ausbau fähig.

Ich hätte gerne ein Spiel bei dem man nicht durch die Spielmechaniken und eine hirntote Diplomatie ausgebremst wird sondern ein Spiel bei dem Imperien entstehen und zerfallen, bei dem an große Erfolge erzielen kann, aber auch schnell viel verlieren kann und ständig die Bündnispartner und Gegner wechseln kann. Hierzu benötigt man jedoch andere Events und Spielmechaniken. Events wie das Burgundische Erbe machen Sinn weil hierdurch neue Großmächte entstehen und neue Konflikte zwischen Großmächte entstehen. In diesem Spiel fehlt das jedoch völlig. Es gibt keine neue entstehenden Großmächte. Anders herum gibt es aber auch keine zerfallende Großmächte und keine Großmächte die sich um das Erbe streiten. Es herrscht überall Stillstand pur. Und wenn mal doch ein Krieg geführt wird, wechseln nur unbedeutende Gebiete den Besitzer, weswegen sich auch nichts and der grundsätzlichen Lage ändert.

Lasst doch den Spieler oder die Ki die Vereinigte Niederlande erben. Wenn sich nach der Anfänglichen Freude herausstellt dass dort ein rebellisches Volk wohnt und man im 16. Jahrhundert mit diesen mehr Ärger als Profit hat, kann sich der Vorteil schnell vom Vorteil zum Nachteil drehen und man wird im Spiel auch ohne die ganzen anderen Spielmechanikern ganz von alleine aufgehalten. Im Übrigen finde ich es auch völlig unlogisch dass sich die Vasallen nicht von Böhmen zu lösen versuchen. In seine Hochzeiten hatte Böhmen bis zu 27 Vasallen bei mir und die meisten hatten eine Loyalität von 0. Aber obwohl ich die Böhmische Armee völlig zertrümmert und ihre Hauptstadt Prag erobert hatte, haben sich die Vasallen nicht erhoben. Warum nicht? Die ganzen kleinen Länder haben in der damaligen Zeit ständig ihre Verbündeten gewechselt. Sogar Großmächte haben das. Wenn ich Prag erobert hätte, hätten doch mit Sicherheit die italienischen und deutschen Vasallen des Böhmischen Königs versucht sich unabhängig zu machen und sich mir angeschlossen. Aber hier ist das nicht der Fall. Sie bleiben schön brav mit ihren Armeen in ihren Ländern stehen und weiterhin Vasallen der Böhmen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Man könnte das ganze sogar mit den Spielmechaniken verbinden und den Spieler fragen ob er die Aufständischen unterstützen möchte. Wenn er es möchte werden sie im Falle eines Sieges automatisch unabhängig, wenn nicht kämpfen sie auf eigene Faust oder sogar gegen den Spieler wenn dieser ihre Gebiete beansprucht. So sollte das sein und nicht so wie es jetzt ist.

Die Söldner Rekrutierung ist in ihrer jetzigen Form ebenfalls total unrealistisch. Die Kosten für Söldner sind nicht nur absurd hoch, man kann zudem nur Verbündete Armeen rekrutieren was keinerlei Sinn macht, weil diese ja bereits gegen den Feind kämpfen. Realistisch wäre es wenn ich bei jeder Armee einen Button hätte über den ich lokale Söldner rekrutieren könnte. Wenn ich in einer Provinz stehe, mit viel Bevölkerung die mir zudem wohlgesonnen ist, kann ich viele Freiwillige rekrutieren, wenn ich in einer feindlichen Provinz bin nur wenige. Das würde das Söldnersystem und die Realität viel besser wieder spiegeln. Wenn ich mit meiner Armee ins Allgäu einmarschiert wäre, währe es sehr wahrscheinlich gewesen das sich mir dort viele der dort lebende Schwaben freiwillig angeschlossen hätten. Umgekehrt hätte Böhmen wohl bei der Rückeroberung von Pilsen mit einer hohen Anzahl an Freiwilligen rechnen können, da dort Tschechen leben.

Es gibt sicherlich noch viel mehr zum Spiel zu sagen. Aber ich will es damit erst mal gut sein lassen. Knackpunkt ist wie bereits gesagt die Diplomatie und die fehlenden Events. Solange sie das nicht ändern, wird es nie so gut sein wie der Vorgänger.

Elvis
01.12.25, 18:30
Inhaltlich stimme ich euch absolut zu. Viele wichtige Mechanismen sind einfach noch nicht annährend rund. Grundgerüst funktioniert schon wirklich sehr gut, aber dem Ganzen Spiel ist noch nicht das richtige Leben eingehaucht worden. Da fehlt noch Seele.
Auch ich würde mir eine stärkere, historische Entwicklung wünschen. Befürchte allerdings, das Johan da eher gegen ist, weil er es nicht mag das Spiel auf Gleise zusetzen.

Sie bleiben schön brav mit ihren Armeen in ihren Ländern stehen und weiterhin Vasallen der Böhmen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.
Würde sich ein Vasall lossagen, kalkuliert er vermutlich nicht nur damit, gegen ein wehrloses Böhmen antreten zu müssen, sondern auch gegen 26 andere Vasallen.
Auch irritiert mich das man +200 Beziehungen zu einem Vasall und gleichzeitig eine Loyalität von 0 haben kann. Ich vermute, dass gute Beziehungen bei nicht vorhandener Loyalität eine KI ebenfalls beeinflussen den Unabhängigkeitskrieg zu versuchen.

Mantikor
02.12.25, 18:18
Bei der Sache mit den Vasallen kann man natürlich über die Einzelheiten diskutieren. Ab wann er sich defensiv verhält und ab wann es aus Sicht des Vasallen nachvollziehbar wäre dass er versucht sich zu lösen und ab wann er es dann auch tut. Ich sage es mal so, so lange der Krieg für Böhmen gut läuft, macht es aus Sicht der böhmischen Vasallen keinen Sinn sich unabhängig zu machen. Aber wenn der Krieg eben nicht gut für Böhmen läuft und die Vasallen ihren Lehnsherrn regelrecht hassen, wäre es schon wünschenswert wenn sie eine Möglichkeit bekommen würden sich ihrem Befreier anschließen zu können. Wenn sie mit ihrem Lehnsherrn zufrieden sind, ihren Befreier mehr hassen wie ihren Lehnsherrn oder man nicht mal in der Nähe ihres Landes ist, macht ein Wechsel natürlich keinen Sinn und sollte dementsprechend auch nicht stattfinden.

Aber bei mir war es halt wirklich so dass von der Böhmischen Armee fast nichts übrig war und fast alle Vasallen die Böhmen gehasst haben, aber die hätten sich trotzdem nie von Böhmen lösen können, weil sie ja mit Böhmen zusammen mit mir im Krieg waren und nicht im Krieg das Bündnis wechseln können. Gerade aber diese Wechsel waren in den Napoleonischen Kriegen normal. Napoleon soll mal gesagt haben dass man mit einem italienischen Staat nur dann einen Krieg siegreich anfangen und beenden kann wenn der italienische Staat mindestens zwei Mal die Seite gewechselt hat. Damit spielte er darauf an dass sich die damaligen Staaten immer dem angeschlossen haben der gerade dabei war zu gewinnen. Sowas wie Bündnistreue gab es damals nur auf dem Papier.

Im Übrigen finde ich es auch nicht realistisch das man Länder in einen Krieg hineinziehen oder selbst hineingezogen werden kann. Das alte System wo man das auch ablehnen konnte war realistischer. Natürlich nicht für umsonst. So ein Verrat muss natürlich auf Kosten des Vertrauens gehen und kann auch ruhig andere Nachteile mit sich bringen. Aber er sollte hat trotzdem möglich sein und hier ist es halt nicht möglich.